All mein′ Gedanken

Felix Dahn

1889

All mein′ Gedanken, mein Herz und mein Sinn, da, wo die Liebste ist, wandern sie hin. Gehn ihres Weges trotz Mauer und Tor, da hält kein Riegel, kein Graben nicht vor, gehn wie die Vögelein hoch durch die Luft, brauchen kein′ Brücken über Wasser und Kluft, finden das Städtlein und finden das Haus, finden ihr Fenster aus allen heraus. Und klopfen und rufen: Mach auf, lass uns ein, wir kommen vom Liebsten und grüßen dich fein.

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Interpretation

Das Gedicht "All mein′ Gedanken" von Felix Dahn handelt von der ungebändigten Sehnsucht und der unerschütterlichen Liebe des lyrischen Ichs. Die Gedanken, das Herz und der Sinn des Sprechers sind ständig bei der Geliebten, unabhängig von physischen Hindernissen wie Mauern, Toren oder Gräben. Diese Hindernisse können die innige Verbindung zwischen den Liebenden nicht trennen. Das lyrische Ich vergleicht seine Gedanken mit Vögeln, die frei durch die Luft fliegen und keine Brücken über Wasser und Kluften benötigen. Diese Metapher verdeutlicht die Leichtigkeit und Ungebundenheit der Gedanken, die mühelos den Weg zur Geliebten finden. Die Gedanken finden das Städtchen, das Haus und schließlich das Fenster der Liebsten, um sie zu grüßen und ihr ihre Zuneigung zu übermitteln. Das Gedicht vermittelt eine romantische und idealistische Vorstellung von Liebe, in der die Gedanken und Gefühle des Sprechers die physische Distanz überwinden können. Die unermüdliche Suche und das beharrliche Klopfen an das Fenster der Geliebten symbolisieren die tiefe Sehnsucht und das Verlangen nach Nähe und Zusammensein. Das Gedicht drückt die unerschütterliche Verbundenheit und die Kraft der Liebe aus, die alle Hindernisse überwindet.

Schlüsselwörter

kein finden gehn all gedanken herz sinn liebste

Wortwolke

Wortwolke zu All mein′ Gedanken

Stilmittel

apostrophe
Und klopfen und rufen: Mach auf, lass uns ein
bildsprache
Brauchen kein′ Brücken über Wasser und Kluft
hyperbel
Da hält kein Riegel, kein Graben nicht vor
metapher
Gehn wie die Vögelein hoch durch die Luft
personifikation
All mein′ Gedanken, mein Herz und mein Sinn, da, wo die Liebste ist, wandern sie hin.