Alfieri
1804Gäbe dir Shakespeare nur von seiner Kenntniß des Herzens, Tauschtest du reinern Geschmack, klassische Formen ihm ein.
Es ist wahr, du bleibst in Italien ein trefflicher Dichter, Deiner versunkenen Zeit warest du herrlich und groß. Und der Tyrannenhaß, der die Völker in Gährung geschüttelt, Füllte mit Stolz und mit Zorn über das Niedrige dich. Männlich sprichst du, ja selbst der Kothurn ist dir nicht erhaben, Hoch genug und du streckst gar mit Gewalt noch dich aus. Das ist traurig, den Griechen allein nur wäre die Hoheit Tragischer Sprache Natur, aber der Nachwelt nicht mehr?
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Interpretation
Das Gedicht "Alfieri" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine Hommage an den italienischen Dichter Vittorio Alfieri. Im ersten Teil vergleicht der Autor Alfieri mit Shakespeare und deutet an, dass Alfieri, wenn er Shakespeares tiefes Verständnis des menschlichen Herzens hätte, bereit wäre, seinen reinen Geschmack und seine klassischen Formen zu tauschen. Dies impliziert, dass Alfieri zwar ein hervorragender Dichter ist, aber noch Raum für Verbesserung hat. Im zweiten Teil lobt Waiblinger Alfieri als einen herausragenden Dichter seiner Zeit, der durch seinen Hass auf Tyrannen und sein Streben nach Freiheit inspiriert wurde. Alfieri spricht männlich und kraftvoll, auch wenn er manchmal zu sehr nach Größe strebt. Der Autor bedauert jedoch, dass die Größe der griechischen Tragödie und die Natur der tragischen Sprache verloren gegangen sind und fragt sich, ob die Nachwelt jemals wieder solche Höhen erreichen wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Männlich sprichst du, ja selbst der Kothurn ist dir nicht erhaben
- Hyperbel
- Hoch genug und du streckst gar mit Gewalt noch dich aus
- Metapher
- Tauschtest du reinern Geschmack, klassische Formen ihm ein
- Rhetorische Frage
- Das ist traurig, den Griechen allein nur wäre die Hoheit Tragischer Sprache Natur, aber der Nachwelt nicht mehr?