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Alfieri

Von

1.

Gäbe dir Shakespeare nur von seiner Kenntniß des Herzens,
Tauschtest du reinern Geschmack, klassische Formen ihm ein.

2.

Es ist wahr, du bleibst in Italien ein trefflicher Dichter,
Deiner versunkenen Zeit warest du herrlich und groß.
Und der Tyrannenhaß, der die Völker in Gährung geschüttelt,
Füllte mit Stolz und mit Zorn über das Niedrige dich.
Männlich sprichst du, ja selbst der Kothurn ist dir nicht erhaben,
Hoch genug und du streckst gar mit Gewalt noch dich aus.
Das ist traurig, den Griechen allein nur wäre die Hoheit
Tragischer Sprache Natur, aber der Nachwelt nicht mehr?

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Gedicht: Alfieri von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Alfieri“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem italienischen Dramatiker Vittorio Alfieri, die sowohl seine Stärken als auch seine Schwächen beleuchtet. Der Dichter nähert sich Alfieri mit einer Mischung aus Bewunderung und Skepsis, wobei er dessen künstlerische Fähigkeiten mit denen Shakespeares vergleicht und die Frage nach der Tragödie und ihrem kulturellen Ursprung aufwirft.

In der ersten Strophe wird ein Vergleich angestellt, der das Dilemma des italienischen Dichters verdeutlicht. Waiblinger wünscht sich, dass Alfieri „nur von Shakespeares Kenntnis des Herzens“ besäße, im Gegenzug aber dessen „reinern Geschmack“ und „klassische Formen“ gegen Alfieris poetische Fähigkeiten eintauschte. Dies deutet auf die Überzeugung des Autors hin, dass Alfieri zwar über tiefgehende Kenntnisse des menschlichen Herzens verfügte, aber möglicherweise in Bezug auf Stil und Form hinter Shakespeare zurückblieb.

Die zweite Strophe beginnt mit der Anerkennung von Alfieris Bedeutung, wobei der Dichter ihn als „trefflichen Dichter“ in Italien würdigt, der „herrliche und groß“ in der „versunkenen Zeit“ war. Waiblinger hebt Alfieris Beitrag zum Erwachen des Freiheitsgeistes hervor, der durch „Tyrannenhaß“ gespeist wurde. Diese Zeilen deuten darauf hin, dass Alfieri als Repräsentant des Widerstands gegen Tyrannei geschätzt wurde. Das Bild des Dichters, der „mit Stolz und mit Zorn über das Niedrige“ ist, verstärkt den Eindruck eines Mannes von hohem Charakter. Die folgenden Zeilen zeigen jedoch die Kritik des Autors.

Die anschließende Frage „Das ist traurig, den Griechen allein nur wäre die Hoheit tragischer Sprache Natur, aber der Nachwelt nicht mehr?“ verdeutlicht die Skepsis hinsichtlich der Fähigkeit Alfieris, die höchste Form der Tragödie zu erreichen, die in der Antike ihren Ursprung hat. Waiblinger scheint zu suggerieren, dass die wahre Hoheit der tragischen Sprache den Griechen vorbehalten war und nicht mehr in der modernen Zeit erreicht werden kann. Dieser Gedanke deutet auf eine tiefe Melancholie über den Verlust der klassischen Tradition und die Schwierigkeit, diese im modernen Kontext zu bewahren, hin. Das Gedicht ist somit ein komplexer Kommentar über Kunst, Kultur und die Grenzen menschlichen Könnens.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.