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Alba

Von

Göttliches bietest dem Auge du dar in Thal und Gebirgen,
Hier der Velino, und dort strahlt aus der Tiefe der See!
Einst als Gefangener saß der König Syphax in Alba,
Mir auch hat es, dem Frei′n, Wasser und Brod nur bescheert.

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Gedicht: Alba von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Alba“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine kurze Reflexion über die Erfahrung von Gefangenschaft und Freiheit, eingebettet in eine Betrachtung der Schönheit der Natur. Es beginnt mit einer anerkennenden Geste gegenüber der Pracht der Landschaft, die in den Zeilen „Göttliches bietest dem Auge du dar in Thal und Gebirgen / Hier der Velino, und dort strahlt aus der Tiefe der See!“ zum Ausdruck kommt. Die Erhabenheit der Natur, repräsentiert durch das Tal, die Berge und das glitzernde Wasser, wird als göttlich beschrieben und dem Betrachter direkt dargeboten. Diese eröffnende Bildsprache etabliert einen Kontrast zwischen der äußeren Schönheit und der inneren Erfahrung des Sprechers.

Die zweite Hälfte des Gedichts führt eine persönliche Erfahrung ein. Der Vergleich mit dem König Syphax, der in Alba gefangen war, evoziert ein Gefühl der Empathie und des geteilten Leids. Der Sprecher, obwohl er sich als „Frei’n“ (Freier) bezeichnet, findet sich in einer ähnlichen Situation wieder: „Mir auch hat es, dem Frei’n, Wasser und Brod nur bescheert.“ Dies deutet darauf hin, dass Freiheit nicht nur durch physische Abwesenheit von Gefangenschaft definiert wird. Auch in der Freiheit kann man sich in einer Situation der Entbehrung und des Mangels wiederfinden. Der Gegensatz zwischen der Fülle der Natur und der Kargheit des eigenen Schicksals verstärkt die Tragik.

Der Fokus des Gedichts liegt also auf der relativen Natur von Freiheit und Gefangenschaft. Während die Landschaft, die Alba umgibt, von unermesslicher Schönheit ist, ist die Erfahrung des Sprechers von Einschränkung und Entbehrung geprägt. Dies deutet darauf hin, dass die äußere Umgebung, mag sie noch so prachtvoll sein, das innere Empfinden von Mangel oder Beschränkung nicht aufheben kann. Der Bezug zu Syphax, einem König im Exil oder in Gefangenschaft, unterstreicht die Universalität dieser Erfahrung. Es geht um eine Auseinandersetzung mit der Frage, was wahre Freiheit bedeutet.

Insgesamt ist „Alba“ ein knappes, aber eindringliches Gedicht, das durch seine Bilder und den Kontrast zwischen Natur und persönlicher Erfahrung eine tiefere Reflexion über Freiheit, Verlust und die menschliche Bedingung anregt. Waiblinger verwebt die äußere Schönheit der Landschaft mit dem inneren Erleben des Sprechers, um ein Gefühl der Sehnsucht und des Unbehagens zu erzeugen, das über die einfache Beschreibung eines Ortes hinausgeht. Es ist eine Beobachtung, die in der scheinbaren Freiheit das Gefühl des Mangels und die Beschränkung der menschlichen Existenz hervorhebt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.