Ain new lied herr Ulrichs von Hutten

Ulrich von Hutten

1520

1 Ich habs gewagt mit sinnen und trag des noch kain rew, mag ich nit dran gewinnen, noch muoß man spüren trew; dar mit ich main nit aim allain, wenn man es wolt erkennen: dem land zuo guot, wie wol man tuot ain pfaffenfeind mich nennen.

2 Da laß ich ieden liegen und reden was er wil; hett warhait ich geschwigen, mir wären hulder vil: nun hab ichs gsagt, bin drum verjagt, das klag ich allen frummen, wie wol noch ich nit weiter fliech, villeicht werd wider kummen.

3 Umb gnad wil ich nit bitten, die weil ich bin on schuld; ich hett das recht gelitten, so hindert ungeduld, daß man mich nit nach altem sit zuo ghör hat kummen laßen; villeicht wils got und zwingt sie not zuo handlen diser maßen.

4 Nun ist oft diser gleichen geschehen auch hie vor, daß ainer von den reichen ain guotes spil verlor, oft großer flam von fünklin kam, wer waiß ob ichs werd rechen! stat schon im lauf, so setz ich drauf: muoß gan oder brechen!

5 Dar neben mich zuo trösten mit guotem gwißen hab, daß kainer von den bösten mir eer mag brechen ab noch sagen daß uf ainig maß ich anders sei gegangen, dann eren nach, hab dise sach in guotem angefangen.

6 Wil nun ir selbs nit raten dis frumme nation, irs schadens sich ergatten, als ich vermanet han, so ist mir laid; hie mit ich schaid, wil mengen baß die karten, bin unverzagt, ich habs gewagt und wil des ends erwarten.

7 Ob dann mir nach tuot denken der curtisanen list: ain herz last sich nit krenken, das rechter mainung ist; ich waiß noch vil, wöln auch ins spil und soltens drüber sterben: auf, landsknecht guot und reuters muot, last Hutten nit verderben!

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Illustration zu Ain new lied herr Ulrichs von Hutten

Interpretation

Das Gedicht "Ain new lied herr Ulrichs von Hutten" von Ulrich von Hutten ist ein selbstbewusster und trotziger Ausdruck des Dichters, der seine Position als Kritiker der katholischen Kirche und ihrer Vertreter verteidigt. Hutten stellt klar, dass er es gewagt hat, seine Meinung zu äußern und sich gegen die Missstände im kirchlichen System zu stellen, auch wenn er dadurch in die Verbannung getrieben wurde. Er lässt sich nicht einschüchtern und ist bereit, für seine Überzeugungen einzustehen, selbst wenn er dabei sein Leben riskiert. In den einzelnen Strophen beschreibt Hutten seine Situation und seine Haltung zu den Ereignissen. Er betont, dass er sich nicht schämt, als "Pfaffenfeind" bezeichnet zu werden, da er damit dem Land einen Dienst erwiesen hat. Hutten lässt sich von den Meinungen anderer nicht beirren und ist stolz darauf, die Wahrheit ausgesprochen zu haben, auch wenn er dafür verbannt wurde. Er bittet nicht um Gnade, da er sich im Recht fühlt und hofft, dass Gott die Umstände ändern wird. Hutten vergleicht seine Situation mit der anderer, die ebenfalls für ihre Überzeugungen eingestanden sind und dabei verloren haben. Er ist bereit, das Risiko einzugehen und entweder zu gewinnen oder zu verlieren, aber aufzugeben kommt für ihn nicht infrage. Der Dichter findet Trost darin, dass ihn niemand der Unehre bezichtigen kann und dass er die Sache von Anfang an mit gutem Willen angegangen ist. Hutten appelliert an seine Landsleute, die Situation zu erkennen und zu handeln, bevor es zu spät ist. Er lässt sich nicht entmutigen und ist entschlossen, das Ende der Geschichte abzuwarten, selbst wenn er dabei sterben sollte.

Schlüsselwörter

nit wil zuo ain hab habs gewagt mag

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Ain herz last sich nit krenken
Anapher
Ich habs gsagt, bin drum verjagt, das klag ich allen frummen
Chiasmus
Mag ich nit dran gewinnen, noch muoß man spüren trew
Hyperbel
Ich habs gewagt mit sinnen und trag des noch kain rew
Ironie
Ain pfaffenfeind mich nennen
Kontrast
Ainer von den reichen ain guotes spil verlor
Metapher
Ain new lied herr Ulrichs von Hutten
Parallelismus
Dar mit ich main nit aim allain, dem land zuo guot, wie wol man tuot ain pfaffenfeind mich nennen
Personifikation
großer flam von fünklin kam
Rhetorische Frage
Wer waiß ob ichs werd rechen!
Symbolik
Pfaffenfeind
Wiederholung
Ich habs gewagt