Ahndung der Genesung

Friederike Sophie Christiane Brun

1785

Wölbender Aether, Schimmerndes Blau, Grünende Fluren, Perlender Thau! Kühlende Lüfte, Wehende Düfte, Hallende Töne, Wallende Schöne, Hebet den Busen mir, strömet durch′s Herz, Mit der Erinn′rung tiefwogendem Schmerz!

Rieselnde Quellen, Spiegelt den hellen, Liebend erröthenden Himmel zurück, Spiegelt den dankvoll bethräneten Blick!

Ist mir entnommen der brennende Schmerz? Schlägt ungefesselt und fröhlich mein Herz? Grüß′ ich nicht weinend das steigende Licht? Funkelt in Thränen der Abendstern nicht?

Bin ich dieselbe? Fühlend der Freude, Theilend dem Leide? Hoffend und wähnend, Lächelnd und sehnend? Tochter des Haines, Schwester der Flur, Deine Geliebte, Mutter Natur!

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Illustration zu Ahndung der Genesung

Interpretation

Das Gedicht "Ahndung der Genesung" von Friederike Sophie Christiane Brun beschreibt die tiefe Verbundenheit der lyrischen Ich-Figur mit der Natur während eines Prozesses der Heilung und Genesung. Die Natur wird als belebend und tröstend dargestellt, wobei Elemente wie der Aether, das Blau des Himmels, grüne Fluren, Tau und kühlende Lüfte eine sinnliche und emotionale Erneuerung bewirken. Diese Naturbilder stehen im Kontrast zu den inneren Schmerzen und Erinnerungen, die das Herz belasten, aber durch die Schönheit der Umgebung gemildert werden. Die zweite Strophe führt das Bild der rinnenden Quellen ein, die den klaren, liebevoll errötenden Himmel und den dankbaren, von Tränen benetzten Blick spiegeln. Dies symbolisiert die Reflexion der eigenen Gefühle in der Natur und deutet auf eine tiefe emotionale Verbundenheit hin. Die Quellen stehen für Reinigung und Erneuerung, während der Spiegel des Himmels Hoffnung und Trost vermittelt. Die abschließende Frage nach der eigenen Identität und der Fähigkeit, Freude und Leid zu teilen, deutet auf eine innere Transformation hin. Die Natur wird als "Mutter Natur" und "Geliebte" bezeichnet, was die tiefe Zuneigung und das Gefühl der Zugehörigkeit zur natürlichen Welt unterstreicht. Die abschließende Anrede an die "Tochter des Haines" und "Schwester der Flur" verdeutlicht die enge Verbindung zur Natur, die als Quelle der Heilung und des Trostes dient.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Wölbender Aether, Schimmerndes Blau, Grünende Fluren, Perlender Thau! Kühlende Lüfte, Wehende Düfte, Hallende Töne, Wallende Schöne
Apostrophe
Wölbender Aether, Schimmerndes Blau, Grünende Fluren, Perlender Thau!
Frage
Ist mir entnommen der brennende Schmerz? Schlägt ungefesselt und fröhlich mein Herz? Grüß′ ich nicht weinend das steigende Licht? Funkelt in Thränen der Abendstern nicht?
Metapher
Mutter Natur
Parallelismus
Fühlend der Freude, Theilend dem Leide? Hoffend und wähnend, Lächelnd und sehnend?
Personifikation
Deine Geliebte, Mutter Natur!
Synästhesie
Hebet den Busen mir, strömet durch′s Herz, Mit der Erinn′rung tiefwogendem Schmerz!