Ahasver

Klabund

1901

Ewig bist du Meer und rinnst ins Meer, Quelle, Wolke, Regen - Ahasver… Tor, wer um vertane Stunden träumt, Weiser, wer die Jahre weit versäumt. Trage so die ewige Last der Erde Und den Dornenkranz mit Frohgebärde. Schlägst du deine Welt und dich zusammen, Aus den Trümmern brechen neue Flammen… Tod ist nur ein Wort, damit man sich vergißt… Weh, Sterblicher, daß du unsterblich bist!

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Interpretation

Das Gedicht "Ahasver" von Klabund thematisiert die ewige Existenz und die damit verbundene Last des Lebens. Der Titel bezieht sich auf die Sage des ewigen Juden, der dazu verdammt ist, bis zur Wiederkunft Christi zu wandern. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der Unendlichkeit, symbolisiert durch das Meer, das immer wieder ins Meer fließt. Es vergleicht dies mit dem Lebenszyklus von Quelle, Wolke und Regen, der sich ständig wiederholt. Das Gedicht betont die Bedeutung des gegenwärtigen Augenblicks und rät davon ab, über vergangene Zeiten zu trauern oder die Gegenwart zu vernachlässigen. Es ermutigt dazu, die Last des Lebens mit Freude zu tragen und auch in schwierigen Zeiten optimistisch zu bleiben. Der Dichter beschreibt, wie man aus den Trümmern seines Lebens neue Flammen entfachen kann, was auf die Möglichkeit der Erneuerung und des Neubeginns hindeutet. Das Gedicht endet mit einer paradoxen Aussage über den Tod und die Unsterblichkeit. Es suggeriert, dass der Tod nur ein Wort ist, das uns vergessen lässt, dass wir in Wirklichkeit unsterblich sind. Diese Aussage könnte als Aufforderung verstanden werden, das Leben in seiner ganzen Fülle zu umarmen und die Unendlichkeit des Seins zu akzeptieren.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Ahasver

Stilmittel

Anapher
Weh, Sterblicher, daß du unsterblich bist
Hyperbel
Und den Dornenkranz mit Frohgebärde
Metapher
Aus den Trümmern brechen neue Flammen
Paradox
Tod ist nur ein Wort, damit man sich vergißt
Personifikation
Trage so die ewige Last der Erde