Agrigent

Wilhelm Friedrich Waiblinger

1774

Wie aus heiterstem Grün, o erhabenste Tempel Girgentis, Wie vom Himmel umglänzt steigt ihr der Nachwelt empor! Zwar in Trümmer schlug euch die Zeit; wohin ich mich wende, Zu des olympischen Zeus altem, titanischen Haus, Sei′s zum furchtbaren Schutt des Herakles, sei′s zu dem Hügel, Wo vom Frühling umblüht, Juno Lucina, du einst, Oder die Eintracht dort in dorischer Schöne gewohnet, Sei′s wo der Tempel Vulkans über der blumigen Kluft Von Limonen umduftet, umlacht von Indiens Feigen, Kaum den Blick mir zum Strand, kaum bis zum Meere gewährt. Euch umglühet Natur, und selbst aus dem Grab in der Mauer Strebt der blühende Baum mächtiger Aloe noch. Jüngst so irrt′ ich im Grün, mir lachten goldene Früchte, Hier entsprang der Granat, dort die Orange dem Laub. Eine Nachtigall schlug und die Tempel entragten den Hainen, Da erfüllete mir Wehmuth das einsame Herz, Unaussprechliche fast. So oft ins zerfallene Leben, Oft in die Trümmer des Glücks, oft in der Liebe Verlust Klagt ein süßer, ein seliger Laut mit der Nachtigall Stimme, Und das Schöne vielleicht wohnet am liebsten im Schmerz.

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Illustration zu Agrigent

Interpretation

Das Gedicht "Agrigent" von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschreibt die einst prächtigen Tempel von Girgenti (heutiges Agrigent in Sizilien), die trotz ihrer Zerstörung durch die Zeit immer noch majestätisch in die Höhe ragen. Der Dichter vergleicht sie mit himmlischen Strukturen, die von der Natur umgeben sind. Er erwähnt spezifische Tempel, wie den des olympischen Zeus, des Herakles, der Juno Lucina, der Eintracht und des Vulkans, und beschreibt, wie sie von Pflanzen wie der Aloe, dem Granatapfel und der Orange umgeben sind. Die zweite Strophe des Gedichts reflektiert über die Schönheit und den Schmerz, die mit den Ruinen verbunden sind. Der Dichter vergleicht die Zerstörung der Tempel mit dem Verlust von Glück und Liebe im Leben. Er bemerkt, dass die Nachtigall, ein Symbol für süße und selige Klage, oft in den Trümmern singt. Der letzte Satz deutet darauf hin, dass das Schöne vielleicht am liebsten im Schmerz wohnt, was eine tiefe philosophische Betrachtung über die Natur von Schönheit und Leid darstellt. Insgesamt ist "Agrigent" ein Gedicht, das die Vergänglichkeit menschlicher Errungenschaften und die beständige Schönheit der Natur feiert. Es verbindet die physische Beschreibung der Tempelruinen mit einer tiefen emotionalen und philosophischen Reflexion über Leben, Verlust und die Natur des Schönen.

Schlüsselwörter

tempel oft grün trümmer schlug schöne kaum nachtigall

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
goldene Früchte
Hyperbel
Kaum den Blick mir zum Strand, kaum bis zum Meere gewährt
Kontrast
Trümmer schlug euch die Zeit
Metapher
Klagt ein süßer, ein seliger Laut mit der Nachtigall Stimme
Personifikation
Nachtigall schlug
Symbolik
Tempel Vulkans über der blumigen Kluft