Agnes

Eduard Mörike

1804

Rosenzeit! Wie schnell vorbei, Schnell vorbei Bist du doch gegangen! Waer mein Lieb nur blieben treu, Blieben treu, Sollte mir nicht bangen.

Um die Ernte wohlgemut, Wohlgemut Schnitterinnen singen. Aber, ach! mir kranken Blut, Mir kranken Blut Will nichts mehr gelingen.

Schleiche so durchs Wiesental, So durchs Tal, Als im Traum verloren, Nach dem Berg, da tausendmal, Tausendmal Er mir Treu geschworen.

Oben auf des Huegels Rand, Abgewandt, Wein ich bei der Linde; An dem Hut mein Rosenband, Von seiner Hand, Spieler in dem Winde.

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Illustration zu Agnes

Interpretation

Das Gedicht "Agnes" von Eduard Mörike handelt von der schmerzlichen Erinnerung an eine verlorene Liebe. Die erste Strophe beschwört die vergangene "Rosenzeit", eine Metapher für die blühende Liebe, die viel zu schnell vergangen ist. Der lyrische Ich sehnt sich danach, dass die Geliebte treu geblieben wäre, denn dann würde er sich nicht sorgen und ängstigen. In der zweiten Strophe wird der Kontrast zwischen der fröhlichen Erntezeit und der Traurigkeit des lyrischen Ichs deutlich. Während die Schnitterinnen voller Zuversicht singen, gelingt dem kranken Herzen des lyrischen Ichs nichts mehr. Die Liebe zu Agnes hat ihn innerlich zerrüttet und er ist nicht mehr in der Lage, Freude am Leben zu empfinden. Die dritte und vierte Strophe beschreiben das ziellose Umherirren des lyrischen Ichs durch das Tal auf der Suche nach Agnes. Er erinnert sich an den Berg, wo sie ihm tausendmal die Treue geschworen hat. Oben auf dem Hügel, abgewandt von der Welt, weint er unter der Linde. Das Rosenband an seinem Hut, das er von Agnes' Hand erhalten hat, flattert spielerisch im Wind - ein letzter trauriger Trost in seiner Einsamkeit.

Schlüsselwörter

treu schnell vorbei blieben wohlgemut kranken blut durchs

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Rosenzeit! Wie schnell vorbei, Schnell vorbei
Anapher
Abgewandt Wein ich bei der Linde
Hyperbel
Tausendmal Er mir Treu geschworen
Metapher
Rosenzeit
Personifikation
Spieler in dem Winde