Afrikanische Huldigung

Ferdinand Freiligrath

1870

Ich lege meine Stirn auf deines Thrones Stufen; Ich führe dieses Heer von hunderttausend Hufen, Ich führe diesen Raub und diesen Sklaventroß, Ich führe diese Schaar von Ringern und von Schützen, Die mit dem Dolch gewandt den Bauch der Feinde schlitzen, Zurück, o König, vor dein Schloß!

Gewonnen ist die Schlacht! Wir waren gute Schlächter! Der Feinde König fiel, ein schlanker, wilder Fechter; Sein langer Hals war nackt, mein Säbel schnell und scharf. Im Sande liegt sein Rumpf, der Tigerin zum Mahle. Erlaube, daß ich dir auf dieser goldnen Schale Sein triefend Haupt verehren darf.

Es trieft von Oele nicht, von Narden und von Salben: Es trieft von rothem Blut, Gebieter! deinethalben! Doch dir zum Salböl wird dies dunkle Dschaggasblut. Ich salbe dich zum Herrn des Reiches, das ich raubte; Die volle Schale leer′ ich über deinem Haupte Auf deiner goldnen Krone Glut.

Und jene, die gezackt und blank mit gelbem Scheine Dies todte Haupt umblitzt, jetzt schmücke sie das deine! Heil, daß ich ihren Glanz auf deiner Stirne seh′! - Führt die Gefangnen vor! schwingt die gewicht′gen Keulen, Und durch Trompetenschall und der Erschlagnen Heulen Jauchzt: Heil dir, Fürst von Dahomeh!

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Illustration zu Afrikanische Huldigung

Interpretation

Das Gedicht "Afrikanische Huldigung" von Ferdinand Freiligrath schildert eine brutale Szene der Unterwerfung und Huldigung an einen afrikanischen König. Der Sprecher, vermutlich ein Kriegsherr oder Anführer, bringt die Trophäen seines Sieges vor dem König dar: Hunderttausend Hufe, Beute, Sklaven und eine Schar von Kriegern. Der Höhepunkt der Huldigung ist der abgeschlagene Kopf des besiegten Feindeskönigs, der auf einer goldenen Schale präsentiert wird. Das Gedicht zeichnet ein Bild von extremer Gewalt und Unterwerfung, in dem der Sieg über den Feind und die Huldigung an den eigenen König im Mittelpunkt stehen. Die Sprache des Gedichts ist sehr bildhaft und drastisch. Freiligrath verwendet starke, oft martialische Worte, um die Brutalität der Szene zu unterstreichen. Der abgeschlagene Kopf des Feindeskönigs, der "triefend" auf der goldenen Schale präsentiert wird, ist ein besonders eindringliches Bild. Die Beschreibung des Blutes als "dunkles Dschaggasblut", das als Salböl für den König dient, verstärkt den barbarischen Charakter der Szene. Die Goldschale und die Krone des Königs kontrastieren scharf mit dem Blut und dem Tod und symbolisieren die Macht und den Reichtum des Königs. Das Gedicht endet mit der Präsentation der Gefangenen und dem Jubel des Volkes über den siegreichen Fürsten von Dahomeh. Die Huldigung ist somit vollständig: Der König hat seine Macht durch den Sieg seines Kriegers bewiesen und wird nun von seinem Volk gefeiert. Das Gedicht zeigt eine Welt, in der Macht durch Gewalt etabliert und aufrechterhalten wird, und in der die Huldigung an den König ein Akt der Unterwerfung und des Schreckens ist.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Führt die Gefangnen vor! schwingt die gewicht′gen Keulen
Hyperbel
Ich führe dieses Heer von hunderttausend Hufen
Metapher
Und jene, die gezackt und blank mit gelbem Scheine Dies todte Haupt umblitzt, jetzt schmücke sie das deine!
Onomatopoesie
Und durch Trompetenschall und der Erschlagnen Heulen
Personifikation
Der Feinde König fiel, ein schlanker, wilder Fechter
Symbolik
Doch dir zum Salböl wird dies dunkle Dschaggasblut