Äsop und der Abderit

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

1885

Sprich doch einmal mit deinen Tieren! Sprach zum Äsop ein Abderit; Sie stehn um dich herum, auf Zweien und auf Vieren, Und wer sie sieht, Sieht wohl, daß sie nicht sprechen können, Sieht an dem Fuchse keine List!

Du wollest, sprach Äsop, weil du gesprächig bist, Doch ihnen ihre Stummheit gönnen!

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Illustration zu Äsop und der Abderit

Interpretation

Das Gedicht "Äsop und der Abderit" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim erzählt eine kurze, aber prägnante Begegnung zwischen dem Fabeldichter Äsop und einem Mann aus Abdera, einer Stadt, die in der Antike für ihre geistige Beschränktheit bekannt war. Der Abderit fordert Äsop auf, mit seinen Tieren zu sprechen, da diese ihn umgeben und doch nicht sprechen können. Er bemerkt, dass selbst der Fuchs, der in den Fabeln oft als listig dargestellt wird, keine List zeigt. Äsop antwortet dem Abderit mit einer sanften, aber deutlichen Rüge. Er bittet den Schwätzer, den Tieren ihre Stummheit zu gönnen, was als eine Anspielung auf die geistige Beschränktheit des Abderiten verstanden werden kann. Äsop deutet an, dass die Fähigkeit zu sprechen nicht unbedingt mit Weisheit oder Intelligenz einhergeht. Das Gedicht spielt mit dem Kontrast zwischen der vermeintlichen Intelligenz des Menschen und der Einfachheit der Tiere. Es zeigt, dass die Fähigkeit zu sprechen nicht zwangsläufig mit Weisheit oder Intelligenz einhergeht. Äsop, der als Fabeldichter bekannt ist, nutzt die Stille der Tiere, um tiefere Wahrheiten über das menschliche Verhalten und die Natur der Weisheit zu vermitteln.

Schlüsselwörter

sieht sprach äsop sprich einmal tieren abderit stehn

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Stilmittel

Anapher
Sie stehn um dich herum, auf Zweien und auf Vieren, Und wer sie sieht, Sieht wohl, daß sie nicht sprechen können, Sieht an dem Fuchse keine List!
Ironie
Du wollest, sprach Äsop, weil du gesprächig bist, Doch ihnen ihre Stummheit gönnen!
Kontrast
Sie stehn um dich herum, auf Zweien und auf Vieren
Rhetorische Frage
Sprich doch einmal mit deinen Tieren!