Adelnssucht

Achim von Arnim

unknown

Frische Liedlein.

Mancher jetz und nach Adel strebt, Hätt er nicht Geld, Würd öfter um sich schauen, Gedenken wer sein Vater war, Ders ganze Jahr Den Acker muste bauen; Der jetzund sich So gar höflich Beyn Leuten thut aufschmücken, Hälts nicht dafür, Als wenn man spür, Daß er den Pflug kann zwicken.

Wenn er nun kommt zum Abendtanz, So gilt sein Kranz Mehr denn der andern allen. Er krümmt sich fast nach Adelssitt, Sein gemeßner Tritt Thut ihm selbst wohlgefallen. Wer hätt vertraut, Daß solches Kraut In Dörfern auch sollt wachsen? Wenn er nur spricht, Er ist erwischt, Ist bäurisch ausgelassen.

Weisheit die thut ihm viel zu leid, Giebt bös Bescheid, Wenn mans ihm nicht will glauben, Dünkt sich in aller Sach gescheit, Doch fehlts ihm weit, Sieht aus wie saure Trauben. Im Spiegel-Glas, Wird sehen das, Der Kittel ihn bas zieret, Den seiden Waat, Den Adelsstaat, Zu bäurisch Art verführet.

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Illustration zu Adelnssucht

Interpretation

Das Gedicht "Adelnssucht" von Achim von Arnim handelt von der Gier nach sozialem Aufstieg und dem Streben nach adeliger Anerkennung, unabhängig von den tatsächlichen Umständen und der Herkunft einer Person. Es kritisiert die Oberflächlichkeit und den Mangel an Authentizität in diesem Bestreben. Im ersten Teil des Gedichts wird das Verhalten einer Person beschrieben, die nach Adel strebt. Sie versucht, sich höflich und adlig zu geben, obwohl sie aus einfachen Verhältnissen stammt und früher auf dem Feld arbeiten musste. Der Autor macht sich über diese Person lustig, indem er darauf hinweist, dass sie trotz ihrer Bemühungen immer noch den Geruch des Pflugs an sich hat. Im zweiten Teil des Gedichts wird das Verhalten der Person bei einem Abendtanz beschrieben. Hier versucht sie noch mehr, sich adlig zu geben und ihren sozialen Status zu verbessern. Der Autor findet es überraschend, dass solche Bestrebungen auch in Dörfern vorkommen, und macht sich erneut über die Person lustig, indem er darauf hinweist, dass sie immer noch bäurisch und ungehobelt ist. Im letzten Teil des Gedichts wird die Person als unwissend und selbstgefällig dargestellt. Sie glaubt, in allem klug zu sein, obwohl ihr das Wissen fehlt. Der Autor kritisiert auch ihre Kleidung und ihr Aussehen, indem er darauf hinweist, dass ihre Kleidung und ihr Verhalten zu bäurisch sind und nicht adlig genug. Insgesamt kritisiert das Gedicht die Oberflächlichkeit und den Mangel an Authentizität in der Gesellschaft, in der Menschen nach sozialem Aufstieg streben, ohne ihre wahre Herkunft und Identität zu akzeptieren.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Den seiden Waat, Den Adelsstaat
Hyperbel
Sein gemeßner Tritt Thut ihm selbst wohlgefallen
Ironie
Mancher jetz und nach Adel strebt, Hätt er nicht Geld
Kontrast
Daß er den Pflug kann zwicken
Metapher
Gedenken wer sein Vater war
Personifikation
Weisheit die thut ihm viel zu leid
Vergleich
Sieht aus wie saure Trauben