Ach, um deine feuchten Schwingen
1815Ach, um deine feuchten Schwingen, West, wie sehr ich dich beneide: Denn du kannst ihm Kunde bringen Was ich in der Trennung leide!
Die Bewegung deiner Flügel Weckt im Busen stilles Sehnen; Blumen, Wald und Hügel Stehn bei deinem Hauch in Tränen.
Doch dein mildes sanftes Wehen Kühlt die wunden Augenlider; Ach, für Leid müßt′ ich vergehen, Hofft′ ich nicht zu sehn ihn wieder.
Eile denn zu meinem Lieben, Spreche sanft zu seinem Herzen; Doch vermeid′ ihn zu betrüben Und verbirg ihm meine Schmerzen.
Sag ihm, aber sag′s bescheiden: Seine Liebe sei mein Leben, Freudiges Gefühl von beiden Wird mir seine Nähe geben.
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Interpretation
Das Gedicht "Ach, um deine feuchten Schwingen" von Marianne von Willemer handelt von der Sehnsucht und dem Schmerz der Trennung von einem geliebten Menschen. Die lyrische Ich-Person beneidet den Westwind, da er die Fähigkeit besitzt, dem Geliebten Botschaften über die erlittene Trennung zu überbringen. Der Wind wird als Vermittler der Gefühle und als Tröster in der Einsamkeit dargestellt. Die Bewegung der Flügel des Windes weckt im Herzen der Sprecherin ein stilles Sehnen, das durch die Natur, symbolisiert durch Blumen, Wald und Hügel, verstärkt wird. Die Natur selbst scheint durch den Hauch des Windes in Tränen zu stehen, was die tiefe emotionale Verbundenheit der Sprecherin mit ihrer Umgebung verdeutlicht. Der Wind hat jedoch auch eine heilende Wirkung, da sein sanftes Wehen die wunden Augenlider kühlt und somit Trost spendet. Die Sprecherin bittet den Wind, schnell zu ihrem Geliebten zu eilen und sanft zu seinem Herzen zu sprechen. Sie bittet darum, den Geliebten nicht zu betrüben und ihre eigenen Schmerzen zu verbergen. Stattdessen soll der Wind dem Geliebten mitteilen, dass seine Liebe ihr Leben ist und dass die Freude und das Gefühl der Zusammengehörigkeit ihr durch seine Nähe gegeben werden. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe emotionale Verbundenheit und die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit dem Geliebten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Freudiges Gefühl von beiden
- Personifikation
- Blumen, Wald und Hügel Stehn bei deinem Hauch in Tränen