Ach, ich fühl′ es
1943Ach, ich fühl′ es! Keine Tugend Ist so recht nach meinem Sinn; Stets befind′ ich mich am wohlsten, Wenn ich damit fertig bin. Dahingegen so ein Laster, Ja, das macht mir viel Pläsier; Und ich hab′ die hübschen Sachen Lieber vor als hinter mir.
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Interpretation
Das Gedicht "Ach, ich fühl's" von Wilhelm Busch beschreibt die ambivalente Beziehung des lyrischen Ichs zu Tugend und Laster. Das Ich gesteht offen, dass es sich mit Tugend schwer tut und sich erst dann am wohlsten fühlt, wenn es damit "fertig" ist. Im Gegensatz dazu macht es "ein Laster" dem Ich viel "Pläsier" und es hat die "hübschen Sachen" lieber "vor als hinter" sich. Busch karikiert hier auf humorvolle Weise die menschliche Schwäche für die "sündigen" Vergnügungen, die kurzfristig Befriedigung versprechen, aber langfristig schaden können. Das Ich weiß um die moralische Verwerflichkeit seiner Vorliebe für das Laster, kann sich aber nicht davon freimachen. Es unterliegt der Versuchung und rechtfertigt seinen Hang zum Schlechten mit der Aussage, es fühle sich dabei am wohlsten. Das Gedicht spielt mit dem Spannungsverhältnis von Soll und Haben, von moralischem Anspruch und menschlicher Schwäche. Busch nimmt die Doppelmoral des Menschen aufs Korn, der einerseits nach moralischer Vollkommenheit strebt, sich aber immer wieder von den Verlockungen des Bösen verführen lässt. Die offene und ehrliche Selbsteinschätzung des lyrischen Ichs macht den besonderen Reiz dieses kurzen, pointierten Gedichts aus.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Antithese
- Ach, ich fühl′ es! Keine Tugend Ist so recht nach meinem Sinn; Stets befind′ ich mich am wohlsten, Wenn ich damit fertig bin. Dahingegen so ein Laster, Ja, das macht mir viel Pläsier; Und ich hab′ die hübschen Sachen Lieber vor als hinter mir.
- Wiederholung
- Ach, ich fühl′ es!