Ach, die Augen sind es wieder

Heinrich Heine

1797

LXXVII

Ach, die Augen sind es wieder, Die mich einst so lieblich grüßten, Und es sind die Lippen wieder, Die das Leben mir versüßten!

Auch die Stimme ist es wieder, Die ich einst so gern gehöret! Nur ich selber bins nicht wieder, Bin verändert heimgekehret.

Von den weißen, schönen Armen Fest und liebevoll umschlossen, Lieg ich jetzt an ihrem Herzen, Dumpfen Sinnes und verdroßen.

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Illustration zu Ach, die Augen sind es wieder

Interpretation

Das Gedicht "Ach, die Augen sind es wieder" von Heinrich Heine beschreibt die Sehnsucht und die Veränderung des lyrischen Ichs nach einer Abwesenheit. Die Augen, Lippen und Stimme der Geliebten sind unverändert geblieben, während das lyrische Ich selbst sich verändert hat. Die Wiederbegegnung ist geprägt von einer dumpfen Sinnlichkeit und einem Gefühl der Verdrossenheit, was auf eine tiefe innere Veränderung oder möglicherweise eine Erkrankung hindeutet. Die Wiederholung des Wortes "wieder" in den ersten beiden Strophen betont die Kontinuität der äußeren Merkmale der Geliebten, während das lyrische Ich selbst nicht mehr dasselbe ist. Dies könnte auf eine persönliche Entwicklung oder eine äußere Veränderung hinweisen, die das lyrische Ich durchgemacht hat. Die Verwendung von "heimgekehret" suggeriert eine Rückkehr an einen vertrauten Ort oder in eine vertraute Situation, die nun jedoch anders wahrgenommen wird. Die letzte Strophe zeigt die körperliche Nähe zwischen den Liebenden, aber die emotionale Distanz des lyrischen Ichs. Die "dumpfen Sinne" und die "Verdroßheit" deuten auf eine emotionale oder physische Erschöpfung hin, die die Intimität trübt. Heine vermittelt ein Gefühl der Melancholie und der Unfähigkeit, sich vollständig auf die Wiederbegegnung einzulassen, was die Komplexität menschlicher Emotionen und Beziehungen unterstreicht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Die Wiederholung von 'sind es wieder' und 'ist es wieder' in den ersten beiden Strophen betont die Wiederkehr der Augen, Lippen und Stimme.
Enjambement
Der Übergang von einer Zeile zur nächsten ohne Pause, z.B. 'Ach, die Augen sind es wieder, / Die mich einst so lieblich grüßten'.
Kontrast
Der Kontrast zwischen der Wiederkehr der Augen, Lippen und Stimme und dem Sprecher, der sich selbst als verändert beschreibt.
Metapher
Die 'weißen, schönen Arme' als Metapher für die Zuneigung und Geborgenheit, die der Sprecher einst erfahren hat.
Parallelismus
Die parallele Struktur der ersten beiden Strophen, in denen jeweils Augen, Lippen und Stimme erwähnt werden.
Personifikation
Die Augen und Lippen werden personifiziert, da sie als eigenständige Wesen handeln, die den Sprecher begrüßen und sein Leben versüßen.
Reimschema
Das Gedicht folgt einem einfachen Reimschema, wobei die Zeilen innerhalb jeder Strophe reimen.