Abwesenheit
1584Auf, auf, fleug bald mein junges herz zu deren, die dich allein nähret; sag ihr, wie übergroßer schmerz von ihretwegen mich bethöret.
Sag ihr, wie mein geist tag und nacht nichts dan klagwort von ihr erdichtet, und wie der lieb zu große macht in mir schier die vernunft vernichtet.
Sag ihr, wie die abwesenheit mein angesicht untröstlich netzet, und wie ihr süße freindlichkeit mich, leider! tödlich jetz verletzet.
Doch sag auch, daß, wan in der pein not, trübsal, elend, angst und klagen sie meiner ingedenk wird sein, ich selig, solches zu ertragen.
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Interpretation
Das Gedicht "Abwesenheit" von Georg Rodolf Weckherlin ist ein Liebesgedicht, das die tiefe Sehnsucht und den Schmerz des lyrischen Ichs aufgrund der Abwesenheit der Geliebten zum Ausdruck bringt. Das Gedicht ist in vier Strophen gegliedert, wobei jede Strophe aus vier Versen besteht. Der Sprecher bittet sein "junges Herz" darum, zu der Geliebten zu fliegen und ihr seine Gefühle zu übermitteln. Die Verwendung des Herzens als Boten unterstreicht die Intensität der Emotionen und die Unfähigkeit des Sprechers, seine Gefühle selbst auszudrücken. In den zweiten und dritten Strophen beschreibt der Sprecher die Auswirkungen der Abwesenheit auf sein Leben. Er klagt, dass sein Geist Tag und Nacht nichts anderes als Klagen über die Geliebte ersinnt und dass die übermächtige Liebe fast seine Vernunft vernichtet hat. Die Abwesenheit hat sein Gesicht "untröstlich netzet", was auf Tränen und Trauer hindeutet. Die süße Freundlichkeit der Geliebten verletzt ihn nun tödlich, was die Ambivalenz seiner Gefühle verdeutlicht – die Liebe bringt sowohl Freude als auch Schmerz. Die letzte Strophe bringt einen Hoffnungsschimmer in das Gedicht. Der Sprecher bittet darum, der Geliebten auch zu sagen, dass er, wenn sie seiner in Not, Trübsal, Elend, Angst und Klagen gedenkt, bereit ist, all das zu ertragen, um selig zu sein. Dies zeigt, dass die Liebe des Sprechers trotz des Schmerzes der Abwesenheit stark genug ist, um alle Widrigkeiten zu überstehen. Das Gedicht endet auf einer positiven Note, die die transformative Kraft der Liebe betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Auf, auf, fleug bald mein junges herz zu deren, die dich allein nähret
- Hyperbel
- und wie der lieb zu große macht in mir schier die vernunft vernichtet
- Kontrast
- Doch sag auch, daß, wan in der pein not, trübsal, elend, angst und klagen sie meiner ingedenk wird sein, ich selig, solches zu ertragen
- Metapher
- und wie mein geist tag und nacht nichts dan klagwort von ihr erdichtet
- Personifikation
- sag ihr, wie übergroßer schmerz von ihretwegen mich bethöret