Abstammung

Elisabeth Fuhrmann-Paulsen

1912

Das schwere Bauernblut in mir lässt mich nicht frei die Welt durchschweifen. Ich kann die Scholle meiner Heimat nicht von den Füßen streifen; und meine Seele, die sich in die Ferne sehnt und die ein Schöpfergeist unendlich formt und dehnt, siecht dennoch hin vor Heimweh in der Fremde.

Sie kann nicht Eis und Schnee, sie kann der Küste Seewind nicht entbehren; sie muss der Möwe Schrei, ja selbst der Schiffe gellendes Gepfeif alltäglich hören.

Nicht irgend sonst wölbt sich das Himmelszelt so kuppelweit über Gefild und Hecken. Wolkengebilde lösen jäh sich auf, um neue Formen bilderreich zu wecken.

Die Sehnsucht in mir träumt in weites Land und türmt sich auf gleich jenen Wolkenbänken, um immer wieder ihre Leidenschaft dem engbegrenzten Heimatland zu schenken.

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Illustration zu Abstammung

Interpretation

Das Gedicht "Abstammung" von Elisabeth Fuhrmann-Paulsen handelt von der tiefen Verbundenheit des lyrischen Ichs mit seiner Heimat und den damit verbundenen inneren Konflikten. Das schwere Bauernblut symbolisiert die starke Verwurzelung in der ländlichen Herkunft, die das Ich daran hindert, die Welt frei zu erkunden. Obwohl die Seele nach Ferne und Weite strebt und von einem Schöpfergeist unendlich geformt und gedehnt wird, leidet sie unter Heimweh in der Fremde. Das Gedicht beschreibt die Sehnsucht des lyrischen Ichs nach den spezifischen Elementen seiner Heimat, wie dem Eis und Schnee, dem Seewind der Küste, dem Schrei der Möwen und dem gellenden Pfeifen der Schiffe. Diese Details verdeutlichen die tiefe emotionale Bindung an den Heimatort und die Unfähigkeit, diese vertrauten Reize zu entbehren. Das Himmelszelt über dem Heimatland wird als besonders weit und kuppelartig beschrieben, was die Weite und Freiheit symbolisiert, die das Ich mit seiner Heimat verbindet. Die Wolkenformationen, die sich jäh auflösen und neue, bilderreiche Formen hervorbringen, stehen metaphorisch für die Sehnsucht des lyrischen Ichs, die sich in weite Lande träumt und sich wie Wolkenbänke auftürmt. Diese Sehnsucht richtet sich jedoch immer wieder auf das engbegrenzte Heimatland, was den inneren Konflikt zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der tiefen Verbundenheit mit der Herkunft verdeutlicht. Das Gedicht thematisiert somit die Spannung zwischen dem Streben nach Weite und dem unaufhaltsamen Zug zur Heimat.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Metapher
um immer wieder ihre Leidenschaft dem engbegrenzten Heimatland zu schenken
Personifikation
meine Seele, die sich in die Ferne sehnt