Abseits
1847Es ist so still; die Heide liegt Im warmen Mittagssonnenstrahle, Ein rosenroter Schimmer fliegt Um ihre alten Gräbermale; Die Kräuter blühn; der Heideduft Steigt in die blaue Sommerluft.
Laufkäfer hasten durch′s Gesträuch In ihren goldnen Panzerröckchen, Die Bienen hängen Zweig um Zweig Sich an der Edelheide Glöckchen; Die Vögel schwirren aus dem Kraut Die Luft ist voller Lerchenlaut.
Ein halbverfallen′ niedrig′ Haus Steht einsam hier und sennbeschienen Der Kätner lehnt zur Tür hinaus, Behaglich blinzelnd nach den Bienen; Sein Junge auf dem Stein davor Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.
Kaum zittert durch die Mittagsruh Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten Dem Alten fällt die Wimper zu, Er träumt von seinen Honigernten. - Kein Klang der aufgeregten Zeit Drang noch in diese Einsamkeit.
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Interpretation
Das Gedicht "Abseits" von Theodor Storm schildert eine idyllische, ländliche Szene in der Stille der Heide. Die Natur wird in lebendigen Farben und Bewegungen beschrieben: die warme Sonne, der rosenrote Schimmer um die Gräbermale, blühende Kräuter und der aufsteigende Heideduft. Kleine Tiere wie Laufkäfer und Bienen bevölkern die Landschaft, während Vögel mit ihrem Gesang die Luft erfüllen. Diese detaillierte Naturerscheinung vermittelt eine Atmosphäre der Ruhe und Abgeschiedenheit. Im Mittelpunkt steht ein einfaches, halbverfallenes Häuschen, in dem ein Kätner lebt. Er lehnt entspannt an der Tür und beobachtet die Bienen, während sein Sohn auf einem Stein sitzt und Pfeifen aus Kälberrohr schnitzt. Diese Szene unterstreicht das einfache, bäuerliche Leben, das fernab vom hektischen Treiben der modernen Welt existiert. Die dörfliche Idylle wird durch den fernen Schlag der Dorfuhr nur leicht gestört, was die tiefe Stille und Abgeschiedenheit des Ortes betont. Der Alte träumt von seinen Honigernten, was seine Verbundenheit mit der Natur und die Zufriedenheit mit seinem einfachen Leben widerspiegelt. Die letzte Zeile unterstreicht, dass dieser Ort von den "aufgeregten" Einflüssen der Zeit unberührt geblieben ist. Storm zeichnet ein Bild von einer Welt, die in Harmonie mit der Natur lebt und von den Veränderungen und dem Stress der äußeren Welt unbeeinflusst ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Laufkäfer hasten durch's Gesträuch
- Bildsprache
- Ein halbverfallen' niedrig' Haus Steht einsam hier und sennbeschienen
- Kontrast
- Kein Klang der aufgeregten Zeit Drang noch in diese Einsamkeit
- Metapher
- Ein rosenroter Schimmer fliegt
- Onomatopoesie
- Die Vögel schwirren aus dem Kraut Die Luft ist voller Lerchenlaut
- Personifikation
- Dem Alten fällt die Wimper zu