Abschiedszeichen

Achim von Arnim

unknown

Mündlich.

Wie schön blüht uns der Mayen, Der Sommer fährt dahin, Mir ist ein schön Jungfräuelein Gefallen in meinen Sinn. Bey ihr ja wär mir wohl, Wann ich nur an sie denke, Mein Herz ist freudenvoll.

Wenn ich des Nachts lieg schlafen, Mein Feinslieb kommt mir für, Wenn ich alsdann erwache, Bey mir ich niemand spür; Bringt meinem Herzen Pein, Wollt Gott, ich sollt ihr dienen, Wie möcht mir bas gesein.

Bey ihr da wär ich gerne, Bey ihr da wär mirs wohl; Sie ist mein Morgensterne Strahlt mir ins Herz so voll. Sie hat ein rothen Mund, Sollt ich sie darauf küssen, Mein Herz würd mir gesund.

Ich werf mit Rosenblättern In Liebchens Fenster ein: Ey schlafe oder wache, Ich möchte bey dir seyn! Das Fensterlein steht auf Wie bey dem Vogelsteller, Ich wag mich nicht hinauf.

Wollt Gott, ich fänd im Garten Drey Rosen auf einem Zweig, Ich wollte auf sie warten, Ein Zeichen wär′s mir gleich; Das Morgenroth ist weit, Es streut schon seine Rosen, Adie meine schöne Maid.

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Illustration zu Abschiedszeichen

Interpretation

Das Gedicht "Abschiedszeichen" von Achim von Arnim handelt von der Sehnsucht und der unerfüllten Liebe eines jungen Mannes zu einer schönen Jungfrau. Der Sprecher beschreibt, wie sehr ihn die Gedanken an die Frau erfüllen und wie sehr er sich wünscht, bei ihr zu sein. Er imaginiert, wie sie in der Nacht zu ihm kommt, nur um dann allein aufzuwachen und die Abwesenheit der Geliebten schmerzlich zu spüren. Die Liebe wird als Quelle tiefer Freude und gleichzeitig als Quelle großen Schmerzes dargestellt. Der Sprecher sehnt sich danach, der Geliebten nahe zu sein und sie zu küssen, was ihm als Heilung für sein Herz erscheint. Er wirft Rosenblätter vor ihr Fenster, ein symbolischer Akt der Zuneigung und des Wunsches nach Nähe. Doch als das Fenster aufgeht, fehlt ihm der Mut, hinaufzusteigen, was seine Unsicherheit und die Hindernisse in der Verfolgung seiner Liebe verdeutlicht. Die Angst vor Zurückweisung oder die Unfähigkeit, seine Gefühle auszudrücken, hält ihn davon ab, den nächsten Schritt zu wagen. Im letzten Teil des Gedichts wünscht sich der Sprecher ein Zeichen von der Geliebten, symbolisiert durch drei Rosen auf einem Zweig. Dieses Zeichen würde ihm als Bestätigung ihrer Gefühle dienen. Doch während er wartet, verstreicht die Zeit, und die Rosen des Morgenrots verblassen. Der Sprecher muss sich schließlich von seiner schönen Maid verabschieden, was die Vergänglichkeit der Liebe und die Unmöglichkeit, seine Wünsche zu erfüllen, unterstreicht. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und der Akzeptanz des unausweichlichen Abschieds.

Schlüsselwörter

bey wär herz schön wollt gott sollt rosen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
bey dem Vogelsteller
Hyperbel
Mein Herz ist freudenvoll
Kontrast
schlafe oder wache
Metapher
Sie ist mein Morgensterne
Personifikation
Das Morgenroth ist weit, Es streut schon seine Rosen
Symbolik
Rosenblättern als Zeichen der Liebe
Wiederholung
bey ihr da wär ich gerne, bey ihr da wär mirs wohl