Abschiedswort der Neuen Rheinischen Zeitung

Ferdinand Freiligrath

1849

Kein offner Hieb in offner Schlacht - Es fällen die Nücken und Tücken, Es fällt mich die schleichende Niedertracht Der schmutzigen West-Kalmücken! Aus dem Dunkel flog der tötende Schaft, Aus dem Hinterhalt fielen die Streiche - Und so lieg ich nun da in meiner Kraft, Eine stolze Rebellenleiche!

Auf der Lippe den Trotz und den zuckenden Hohn, In der Hand den blitzenden Degen, Noch im Sterben rufend: »Die Rebellion!« - So bin ich mit Ehren erlegen. Oh, gern wohl bestreuten mein Grab mit Salz Der Preuße zusamt dem Zare - Doch es schicken die Ungarn, es schickt die Pfalz Drei Salven mir über die Bahre!

Und der arme Mann im zerrißnen Gewand, Er wirft auf mein Haupt die Schollen! Er wirft sie hinab mit der fleißigen Hand, Mit der harten, der schwielenvollen. Einen Kranz auch bringt er aus Blumen und Mai’n, Zu ruhn auf meinen Wunden; Den haben sein Weib und sein Töchterlein Nach der Arbeit für mich gewunden.

Nun ade, nun ade, du kämpfende Welt, Nun ade, ihr ringenden Heere! Nun ade, du pulvergeschwärztes Feld, Nun ade, ihr Schwerter und Speere! Nun ade - doch nicht für immer ade! Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder! Bald richt ich mich rasselnd in die Höh’, Bald kehr ich reisiger wieder!

Wenn die letzte Krone wie Glas zerbricht, In des Kampfes Wettern und Flammen, Wenn das Volk sein letztes »Schuldig!« spricht, Dann stehn wir wieder zusammen! Mit dem Wort, mit dem Schwert, an der Donau, am Rhein - Eine allzeit treue Gesellin Wird dem Throne zerschmetternden Volke sein Die Geächtete, die Rebellin!

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Illustration zu Abschiedswort der Neuen Rheinischen Zeitung

Interpretation

Das Gedicht "Abschiedswort der Neuen Rheinischen Zeitung" von Ferdinand Freiligrath ist ein kraftvolles und trotziges Abschiedsgedicht, das den Untergang einer kämpferischen Zeitung thematisiert. Der Sprecher, der für die Zeitung steht, beschreibt seinen Tod als Folge von hinterhältigen Angriffen und Niedertracht, die ihn von den "West-Kalmücken" zugefügt wurden. Trotz seines Todes behält er seinen Stolz und Trotz bei, symbolisiert durch den "blitzenden Degen" in seiner Hand und den Ausruf "Die Rebellion!" im Sterben. Er akzeptiert seinen Tod als ehrenvollen Opfertod für die Sache der Rebellion. Das Gedicht zeigt auch die Solidarität und den Respekt, den der Sprecher auch nach seinem Tod erfährt. Preußen und der Zar mögen versuchen, sein Grab mit Salz zu bestreuen, um es zu entweihen, aber die Ungarn und die Pfalz ehren ihn mit Salven über seinem Sarg. Der "arme Mann" im zerissenen Gewand, der für den Sprecher gearbeitet hat, wirft Erde und einen Kranz aus Blumen auf seinen Kopf, der von seiner Frau und Tochter geflochten wurde. Dies symbolisiert die tiefe Verbundenheit und den Respekt der einfachen Leute für den Sprecher und seine Sache. Das Gedicht endet mit einem trotzigen und hoffnungsvollen Ausblick. Der Sprecher verabschiedet sich von der kämpfenden Welt und den kämpfenden Heeren, aber nicht für immer. Er verspricht, dass der Geist der Rebellion nicht getötet werden kann und dass er "rasselnder" und "reisiger" zurückkehren wird. Das Gedicht schließt mit der Vision einer Zukunft, in der das Volk zusammensteht, um den Thron zu zerschmettern, und die "Geächtete, die Rebellin" eine treue Verbündete sein wird. Dies unterstreicht die unerschütterliche Überzeugung des Sprechers in die Kraft der Rebellion und die Unausweichlichkeit des Wandels.

Schlüsselwörter

ade offner hand wirft bald kein hieb schlacht

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
schleichende Niedertracht
Anapher
Nun ade, nun ade, du kämpfende Welt, Nun ade, ihr ringenden Heere! Nun ade, du pulvergeschwärztes Feld, Nun ade, ihr Schwerter und Speere!
Anspielung
Der Preuße zusamt dem Zare
Bildsprache
pulvergeschwärztes Feld
Enjambement
Kein offner Hieb in offner Schlacht - Es fällen die Nücken und Tücken, Es fällt mich die schleichende Niedertracht
Hyperbel
Mit dem Wort, mit dem Schwert
Kontrast
Kein offner Hieb in offner Schlacht - Es fällen die Nücken und Tücken
Metapher
Eine stolze Rebellenleiche
Personifikation
Es fällen die Nücken und Tücken
Symbolik
Kranz aus Blumen und Mai’n