Abschieds-Liedchen
1936Hat meines Hertzens keusche Brunst Dann bey dem Himmel keine Gunst, Daß ich dich, Schönste, muß verlassen? Hie wo du stets mit Neid vnd List Der falschen Zungen, die dich hassen, Mein Sinnen-Trost, umbgeben bist?
Entschlag dich aber aller Pein Vnd laß dein Hertz versichert seyn, Daß ich kurtzumb nicht von dir scheide, Mein blosser Schatten zeucht von hier, Ich aber bleib′ in Lieb′ vnd Leide Stets umb dich her vnd diene dir.
Laß nur die Mißgunst immerhin Vergifftet aus verboßtem Sinn′ Auff dich zu stechen sich bemühen, Es schmertzt sie, daß dein Glantz vnd Pracht, Du edle Rose, so mus blühen Vnd sie, die Hecken, schamroht macht.
Es kömpt, ob Gott wil, noch die Zeit, Daß wir der Disteln rauhes Kleidt Durch unsrer Liebe Brunst verbrennen, Da man hergegen nichts an dir, Du güldne Bluhme, wird erkennen Als Glantz vnd unverwelckte Zier.
Nun, hiemit reis′ ich auff den Schluß Des Himmels, dem ich folgen muß, Doch wo ich mich befinden werde, Daselbst wird auch dein Licht vnd Schein, Dein Sinn vnd höfliches Geberde Mein Thun, Red′ vnd Gedancken seyn.
Ach, wenn es kürtzlich wird geschehn, Daß ich dich wieder werde sehn Vnd deiner Gegenwart geniessen, Ich werde dieses Gut, mein Liecht, Mit nichts hie zu vertauschen wissen, Mit keinem Kayserthum auch nicht.
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Interpretation
Das Gedicht "Abschieds-Liedchen" von Simon Dach handelt von einem Abschied, der jedoch nicht endgültig ist. Der Sprecher verabschiedet sich von seiner Geliebten, die als "Schönste" bezeichnet wird, aber versichert ihr, dass er ihr in Gedanken und Gefühlen stets nahe sein wird. Trotz der räumlichen Trennung bleibt die Liebe bestehen und der Sprecher verspricht, ihr treu zu dienen. Die Geliebte wird als "edle Rose" beschrieben, die von Neid und Missgunst umgeben ist. Der Sprecher ermutigt sie, sich nicht von diesen negativen Einflüssen beeinflussen zu lassen und versichert ihr, dass ihre Schönheit und ihr Glanz unverändert bleiben werden. Es wird die Hoffnung ausgedrückt, dass die Zeit kommen wird, in der die Hindernisse und Schwierigkeiten durch die Kraft der Liebe überwunden werden können. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass der Sprecher dem Himmel folgen muss, aber dass die Gedanken an die Geliebte ihn überall begleiten werden. Der Sprecher sehnt sich danach, sie wiederzusehen und ihre Gegenwart zu genießen. Er betont, dass er dieses Glück mit nichts auf der Welt eintauschen würde, nicht einmal mit einem Kaiserreich.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Du edle Rose
- Bildsprache
- Die Hecken, schamroht macht
- Hyperbel
- Mit keinem Kayserthum auch nicht
- Kontrast
- Mein blosser Schatten zeucht von hier, Ich aber bleib′ in Lieb′ vnd Leide
- Metapher
- Hat meines Hertzens keusche Brunst
- Personifikation
- Vergifftet aus verboßtem Sinn′
- Symbol
- Du güldne Bluhme