Abschied

Adolf Friedrich Graf von Schack

1815

Schon zur Heimfahrt ruft das Meer; Doch wie wird das Herz so schwer Mir beim Abschiednehmen! Und auch du, mein Weggenoß, Blickst so traurig, treues Roß, Edelstes von Jemen.

Fern von jeder Menschenspur - Führer uns die Sterne nur An des Himmels Bogen - Wie zwei Brüder, nie getrennt, Durch den weiten Orient Sind wir hingezogen.

Ueber Berge, steil und schroff, Ob auch Schaum vom Bug dir troff, Flogst du, nie ermattet; Trugst mich durch der Wüste Sand, Wo vor lohem Sonnenbrand Keine Palme schattet.

Unser Mais- und Dattelmahl Teilten wir im Felsenthal An des Brunnens Kühle; Nachts, an dich dahingelehnt, Deinen Nacken, weichgemähnt, Wählt′ ich mir zum Pfühle.

Achtsam spähend immerdar Mich zu schützen vor Gefahr, Kaum Minuten schliefst du; Wenn, von Müdigkeit wie starr, Noch ich lag, mit Hufgescharr Schon zum Aufbruch riefst du.

Als ich matt und fieberkrank In dem Chane niedersank Und es in mir Nacht ward, An der harten Blätterstreu, Drauf ich ruhte, o wie treu Ich von dir bewacht ward!

Lebe wohl! Von Ort zu Ort Auch im Abendland hinfort Feir′ ich dich im Liede; Und, noch wenn ich heimgekehrt, Preis′ im Osten, teures Pferd, Lang dich die Kasside;

Preise deiner Glieder Pracht, Schwarz wie Wetterwolkennacht, Schlank wie die Cypresse, Und, die durch das Dunkel fern Leuchtet wie der Morgenstern, Deiner Stirne Blässe!

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Illustration zu Abschied

Interpretation

Das Gedicht "Abschied" von Adolf Friedrich Graf von Schack erzählt von der emotionalen Trennung des lyrischen Ichs von seinem treuen Pferd nach einer langen gemeinsamen Reise durch den Orient. Das Gedicht beginnt mit dem Abschiedsschmerz, den sowohl das Ich als auch das Pferd empfinden, und betont die tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier. Das Pferd wird als edel und treu beschrieben, als "treues Roß" und "Edelstes von Jemen", was seine besondere Bedeutung für das Ich unterstreicht. Die Reise durch die Wüste und über Berge wird als gemeinsames Abenteuer dargestellt, bei dem das Pferd das Ich durch schwierige und gefährliche Situationen begleitet hat. Die Beschreibungen der Landschaft und der Strapazen, wie die sengende Sonne und die sandige Wüste, verdeutlichen die Härte der Reise. Das Pferd wird als zuverlässiger Begleiter gezeigt, der das Ich beschützt und ihm zur Seite steht, selbst in Momenten der Schwäche und Krankheit. Das Gedicht endet mit einem Abschiedslied, in dem das Ich dem Pferd ewige Anerkennung und Lobpreisung verspricht. Die physischen Merkmale des Pferdes, wie seine schwarze Farbe und seine schlanke Gestalt, werden in poetischen Bildern beschrieben. Das lyrische Ich versichert, dass es das Pferd auch im Abendland ehren und im Osten preisen wird, was die tiefe Dankbarkeit und die unvergängliche Erinnerung an das treue Tier symbolisiert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Blickst so traurig, treues Roß
Hyperbel
Flogst du, nie ermattet
Metapher
Teilten wir im Felsenthal An des Brunnens Kühle
Personifikation
Schon zur Heimfahrt ruft das Meer
Vergleich
Leuchtet wie der Morgenstern