Abschied von den Helden
1768Nicht Friedrichs Helden, welche der Brenne liebt, Schwerin und Heinrich, Bevern und Winterfeld, Nicht jeder Gwelse nur und Seidlitz Sind der gewaltigen Hymne würdig.
Auch ihr, der Staaten friedliche Wächter, habt Ein hohes Recht an unsern geflügelten Gesängen; auch der tapfre Richter Mächtiger Frevel und armer Unschuld;
Auch deren Geist dem immer erneuerten Geschlecht der Menschen Güter und Künste fand; Auch wer allwachsam seinen Bürgern Ueberfluss, Sitte, Gesundheit austheilt.
Noch viele goldne Pfeile ruhn unversucht Im Köcher eines Dichters, der frühe schon Sein Leben ganz den liederreichen Schwestern Uraniens angelobt hat;
Der, hoffend auf die Krone der Afterwelt, Den bürgerlichen Ehren entsagete; Der alle Wege, die zum Reichthum Führen, verliess: ein zufriedner Jüngling.
Verleiht, bevor diess Haupthaar der Reif umzieht, Ein guter Gott mir Einen Aonischen Mit Bächen und Gebüsch durchflochtnen Winkel der Erde: so sollen alle
Durch alle Winde fliegen, den Weisesten Ein süsser Klang, dem Ohre des blöden Volks Unmerklich. – Ungeschwächt soll ihre Töne der Brittische Barde trinken;
Sie sollen hell den Himmel Ausoniens Durchwirbeln; (dort war ehmals ihr Vaterherd Auch Galliens vergnügter Sänger Höre den Nachhall, nicht ohne Scheelsucht.
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Interpretation
Das Gedicht "Abschied von den Helden" von Karl Wilhelm Ramler ist eine poetische Abhandlung über die Würdigkeit verschiedener Persönlichkeiten für die "gewaltige Hymne". Es beginnt mit der Ablehnung der Helden Friedrichs, wie Schwerin, Heinrich, Bevern und Winterfeld, sowie Gwelse und Seidlitz, als würdig für die Hymne. Stattdessen richtet der Dichter seinen Fokus auf die friedlichen Wächter der Staaten, den tapferen Richter und die Geister, die dem Geschlecht der Menschen Güter und Künste fanden. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Hoffnung des Dichters auf einen "Aonischen Winkel der Erde", wo er seine "goldnen Pfeile" - seine Lieder - in alle Winde fliegen lassen möchte. Diese Lieder sollen sowohl den Weisen als auch dem einfachen Volk gefallen, ohne ihre Kraft zu verlieren. Der Dichter träumt davon, dass seine Lieder in verschiedenen Regionen, wie Britannien und Ausonien, gehört und geschätzt werden. Im letzten Teil des Gedichts äußert der Dichter den Wunsch, dass sein Gesang auch in Gallien, dem ehemaligen "Vaterherd" seiner Lieder, gehört wird. Allerdings fügt er hinzu, dass der gallische Sänger den Nachhall seiner Lieder "nicht ohne Scheelsucht" hören wird, was auf eine gewisse Rivalität oder Eifersucht hindeutet. Insgesamt ist das Gedicht eine Reflexion über die Rolle des Dichters und die Verbreitung seiner Werke, sowie eine Abkehr von der traditionellen Heldenehrung zugunsten einer breiteren Anerkennung verschiedener gesellschaftlicher Beiträge.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Nicht Friedrichs Helden, welche der Brenne liebt
- Hyperbel
- Ein hohes Recht an unsern geflügelten Gesängen
- Metapher
- dort war ehmals ihr Vaterherd Auch Galliens vergnügter Sänger Höre den Nachhall, nicht ohne Scheelsucht
- Personifikation
- Auch ihr, der Staaten friedliche Wächter