Abschied vom Walde

Franz Alfred Muth

1839

Wie liegst du fromm gebreitet, Du lichter grüner Wald! Im Gras ein Rehlein weidet, Der Schlag der Amsel hallt. Wie oft hab ich geschwärmet In dir, du duftger Tann, Und wenn ich mich gehärmet, Du warst nicht schuld daran.

O schau` mit deinen Augen Mich nicht so innig an; Laß deinen Duft nur hauchen, Wie immer du getan; Laß deine Wipfel wehen, Die stets von Märchen voll — Ich muß, ach! weitergehen, Mein Wald, so lebe wohl!

O einsam süße Stunden, Wo find` ich je euch mehr! Von Schmerzen und von Wunden Wie ist die Welt so schwer! Wo ist des Himmels Auge So blau und kindesklar, Wie es bei deinem Hauche, O Wald, mein lieber, war?

Der Wald liegt fromm gebreitet, Im Grase ruht das Reh; Wie meine Seele leidet, Da flüstert`s in mein Weh; „Ich werde dir schon rauschen, Wenn wir geschieden sind, Willst du auf mich nur lauschen, Mein liebes, liebes Kind!”

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Illustration zu Abschied vom Walde

Interpretation

Das Gedicht "Abschied vom Walde" von Franz Alfred Muth handelt von einem Abschiednehmen von einem geliebten Wald. Der Sprecher beschreibt den Wald als fromm gebreitet und erinnert sich an schöne Stunden, die er dort verbracht hat. Er bittet den Wald, ihn nicht so innig anzuschauen und seinen Duft weiterhin hauchen zu lassen, da er weitergehen muss. Der Sprecher sehnt sich nach den einsamen süßen Stunden im Wald zurück und fragt sich, wo er jemals wieder solche Momente finden wird. Die Welt erscheint ihm schwer und voller Schmerzen im Vergleich zur Leichtigkeit und Klarheit, die er im Wald erlebt hat. Der Wald liegt immer noch fromm gebreitet, während das Reh im Gras ruht. Der Sprecher leidet seelisch und hört eine Stimme, die ihm zuflüstert, dass der Wald auch nach der Trennung noch rauschen wird, wenn er nur darauf lauscht. Der Wald spricht ihn als sein liebes Kind an und verspricht, ihm treu zu bleiben.

Schlüsselwörter

wald fromm gebreitet duft laß liebes liegst lichter

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Du warst nicht schuld daran.
Apostrophe
O schau` mit deinen Augen Mich nicht so innig an;
Bildsprache
Im Grase ruht das Reh;
Direkte Ansprache
Willst du auf mich nur lauschen, Mein liebes, liebes Kind!
Hyperbel
Mein Wald, so lebe wohl!
Metapher
Ich werde dir schon rauschen, Wenn wir geschieden sind,
Personifikation
Wie meine Seele leidet, Da flüstert`s in mein Weh;
Rhetorische Frage
O einsam süße Stunden, Wo find` ich je euch mehr!
Vergleich
Wo ist des Himmels Auge So blau und kindesklar,