Abschied vom Rhein

Clemens Brentano

1834

Nun gute Nacht! mein Leben, Du alter, treuer Rhein. Deine Wellen schweben Klar im Sternenschein; Die Welt ist rings entschlafen, Es singt den Wolkenschafen Der Mond ein Lied.

Der Schiffer schläft im Nachen Und träumet von dem Meer; Du aber, Du mußt wachen Und trägst das Schiff einher. Du führst ein freies Leben, Durchtanzest bei den Reben Die ernste Nacht.

Wer dich gesehen, lernt lachen; Du bist so freudenreich, Du labst das Herz der Schwachen Und machst den Armen reich. Du spiegelst hohe Schlösser Und füllest große Fässer Mit edlem Wein.

Auch manchen lehrst du weinen. Dem du sein Lieb entführt; Gott wolle die vereinen, Die solche Sehnsucht rührt: Sie irren in den Hainen, Und von den Echosteinen Erschallt ihr Weh.

Und manchen lehret beten Dein tiefster Felsengrund; Wer dich im Zorn betreten, Den ziehst du in den Schlund: Wo deine Strudel brausen, Wo deine Wirbel sausen, Da beten sie.

Mich aber lehrst du singen: Wenn dich mein Aug ersieht, eine freudeselig Klingen Mir durch den Busen zieht; Treib fromm mir meine Mühle, Jetzt scheid ich in der Kühle Und schlummre ein.

Ihr lieben Sterne, decket Mir meinen Vater zu. Bis mich die Sonne wecket, Bis dahin mahle du: Wirds gut, will ich dich preisen, Dann sing in höhern Weisen Ich dir ein Lied.

Nun werf ich dir zum Spiele Den Kranz in deine Flut: Trag ihn zu seinem Ziele, Wo dieser Tag auch ruht. Gut Nacht, ich muß mich wenden, Muß nun mein Singen enden, Gut Nacht, mein Rhein!

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Illustration zu Abschied vom Rhein

Interpretation

Das Gedicht "Abschied vom Rhein" von Clemens Brentano ist eine poetische Verabschiedung von dem Fluss Rhein. Der Dichter nimmt Abschied von seinem Leben und dem Rhein, der als treuer Begleiter dargestellt wird. Der Rhein wird als klare, sternenklare Wasserfläche beschrieben, während die Welt schläft und der Mond ein Lied singt. Der Schiffer träumt von dem Meer, während der Rhein wach bleibt und das Schiff trägt. Der Rhein wird als Symbol für ein freies Leben und Freude dargestellt, der das Herz der Schwachen labt und den Armen reich macht. Er spiegelt hohe Schlösser und füllt Fässer mit edlem Wein. Das Gedicht beschreibt auch die verschiedenen Emotionen, die der Rhein hervorrufen kann. Er lehrt manche zu lachen und macht sie freudenreich. Gleichzeitig kann er auch Tränen hervorrufen, besonders bei denen, deren Liebe er entführt hat. Der Dichter wünscht sich, dass Gott die Liebenden vereint, die von Sehnsucht erfüllt sind und in den Hainen umherirren. Der Rhein kann auch zum Beten führen, besonders an seinem tiefsten Felsengrund. Wer ihn im Zorn betritt, wird in den Schlund gezogen, wo die Strudel brausen und die Wirbel sausen. Der Dichter selbst wird vom Rhein zum Singen inspiriert. Wenn er den Rhein erblickt, durchströmt ihn eine freudeselige Klinge. Er bittet den Rhein, seine Mühle fromm zu treiben, während er sich in der Kühle verabschiedet und einschläft. Das Gedicht endet mit einem Aufruf an die lieben Sterne, den Dichter zu bedecken, bis die Sonne ihn weckt. Der Dichter verspricht, den Rhein zu preisen, wenn alles gut geht, und ihm ein höheres Lied zu singen. Zum Abschluss wirft der Dichter einen Kranz in die Fluten des Rheins und bittet ihn, ihn zu seinem Ziel zu tragen, wo auch dieser Tag zur Ruhe kommt. Der Dichter verabschiedet sich von seinem Singen und wünscht dem Rhein eine gute Nacht.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die ernste Nacht
Hyperbel
Du machst den Armen reich
Metapher
Wirds gut, will ich dich preisen
Personifikation
Trag ihn zu seinem Ziele
Vergleich
Du bist so freudenreich