Abschied an Dornburg
1806Du Berg, der frei die hohe Stirn erhebt, wo oft der Strahl des Morgens mich umwebt, du Welle, die das Ufer spielend neckt, wie Menschenstimmen oft mich leicht erschreckt, du Abendrot, das auf der Welle schwimmt, ihr Würmchen, die, in Dämmerung entglimmt, durch Busch und Flur in schnellen, leichten Tänzen, mir, wie herabgefallne Sterne glänzen, du ewig unbewegter Tannenwald, der stillen Sorge trauter Aufenthalt, der Hain, wo einsam Philomele girrt, worin ich oft mutwillig mich verirrt, der Weide Duft, der still die Lüfte küßt, - seid alle mir zum letztenmal gegrüßt! Lebt wohl! Ihr habt mit unschuldvollem Scherz, mit goldnem Traum oft mein Gemüt entschleiert, und meine Ruhe fühlend mitgefeiert! Auch ihr vermißt der Freundin leichte Spur, denn was ist, ohne das empfindungsvolle Herz, das sie versteht, die lieblichste Natur?
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Interpretation
Das Gedicht "Abschied an Dornburg" von Sophie Friederike Brentano ist eine Abschiedsode an die Natur, die den Dichter umgeben hat. Die Verse beschreiben die verschiedenen Elemente der Landschaft, die dem Dichter ans Herz gewachsen sind: den Berg, der die hohe Stirn erhebt, die Welle, die das Ufer neckt, das Abendrot, das auf der Welle schwimmt, die Würmchen, die in der Dämmerung glänzen, den Tannenwald, der stillen Sorge trauter Aufenthalt ist, den Hain, wo Philomele girrt, und den Duft der Weide, der die Lüfte küsst. All diese Elemente werden nun zum letzten Mal gegrüßt, da der Dichter Abschied nimmt. Die Natur hat dem Dichter mit "unschuldvollem Scherz" und "goldnem Traum" oft sein Gemüt entschleiert und seine Ruhe mitgefeiert. Sie hat ihm Trost und Freude geschenkt, und der Dichter fühlt eine tiefe Verbundenheit zu ihr. Doch ohne das "empfindungsvolle Herz", das sie versteht, ist die lieblichste Natur nichts. Der Dichter betont, dass die Natur nur durch die menschliche Wahrnehmung und Empfindung ihre volle Bedeutung und Schönheit entfalten kann. Der Abschied von der Natur ist ein schmerzlicher Akt, da der Dichter sich von einem Ort trennen muss, der ihm sehr am Herzen liegt. Die Verse drücken eine tiefe Melancholie aus, aber auch die Hoffnung, dass die Erinnerungen an die Natur und die damit verbundenen Gefühle in der Seele des Dichters weiterleben werden. Das Gedicht ist ein eindrucksvolles Zeugnis der engen Beziehung zwischen Mensch und Natur und der Bedeutung, die die Natur für das menschliche Empfinden und Erleben hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- mit unschuldvollem Scherz, mit goldnem Traum
- Anapher
- Du Berg, der frei die hohe Stirn erhebt, du Welle, die das Ufer spielend neckt, du Abendrot, das auf der Welle schwimmt, ihr Würmchen, die, in Dämmerung entglimmt, du ewig unbewegter Tannenwald, der stillen Sorge trauter Aufenthalt, der Hain, wo einsam Philomele girrt, darin ich oft mutwillig mich verirrt, der Weide Duft, der still die Lüfte küßt
- Apostrophe
- Du Berg, der frei die hohe Stirn erhebt, du Welle, die das Ufer spielend neckt, du Abendrot, das auf der Welle schwimmt, ihr Würmchen, die, in Dämmerung entglimmt, du ewig unbewegter Tannenwald, der stillen Sorge trauter Aufenthalt, der Hain, wo einsam Philomele girrt, darin ich oft mutwillig mich verirrt, der Weide Duft, der still die Lüfte küßt
- Hyperbel
- mit goldnem Traum oft mein Gemüt entschleiert
- Metapher
- mit goldnem Traum oft mein Gemüt entschleiert
- Personifikation
- du Welle, die das Ufer spielend neckt, du Abendrot, das auf der Welle schwimmt, ihr Würmchen, die, in Dämmerung entglimmt, durch Busch und Flur in schnellen, leichten Tänzen