Abschied

Johann Wolfgang von Goethe

1749

Zu lieblich ist′s, ein Wort zu brechen, Zu schwer die wohlerkannte Pflicht, Und leider kann man nichts versprechen, Was unserm Herzen widerspricht.

Du übst die alten Zauberlieder, Du lockst ihn, der kaum ruhig war, Zum Schaukelkahn der süßen Torheit wieder, Erneust, verdoppelst die Gefahr.

Was suchst du mir dich zu verstecken! Sei offen, flieh′ nicht meinen Blick! Früh oder spät mußt′ ich′s entdecken, Und hier hast du dein Wort zurück.

Was ich gesollt, hab′ ich vollendet; Durch mich sei dir von nun an nichts verwehrt; Allein verzeih′ dem Freund, der sich nun von dir wendet Und still in sich zurückgekehrt.

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Illustration zu Abschied

Interpretation

Das Gedicht "Abschied" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt einen Abschied, der aufgrund einer unüberwindbaren inneren Pflicht erfolgt. Der Sprecher empfindet es als zu schwer, ein Versprechen zu brechen, das seinem Herzen widerspricht, und somit als notwendig, sich von der Geliebten zu trennen. Die Geliebte wird als jemand dargestellt, der mit "Zauberliedern" und "süßer Torheit" den Sprecher zurück in eine gefährliche emotionale Abhängigkeit lockt. Der Sprecher erkennt jedoch, dass er sich nicht länger verstecken oder der Wahrheit ausweichen kann, und fordert die Geliebte auf, offen zu sein und sich nicht vor seinem Blick zu flüchten. Der Sprecher betont, dass er seine Pflicht erfüllt hat und der Geliebten von nun an nichts mehr verwehrt bleibt. Dennoch bittet er um Vergebung für den Freund, der sich nun von ihr abwendet und in sich selbst zurückkehrt. Dieser Abschied ist nicht als Strafe oder Vorwurf gemeint, sondern als notwendiger Schritt, um die eigene Integrität und innere Ruhe zu bewahren. Der Sprecher akzeptiert die Konsequenzen seiner Entscheidung und kehrt in seine innere Einsamkeit zurück, um den Konflikt zwischen Pflicht und Verlangen zu überwinden. Das Gedicht reflektiert die Spannung zwischen emotionaler Bindung und moralischer Verantwortung. Goethe vermittelt die Idee, dass wahre Liebe manchmal den Mut erfordert, sich zu trennen, um das eigene Gewissen zu wahren. Der Abschied wird als Akt der Selbstachtung und als Befreiung von einer gefährlichen Verstrickung dargestellt, die das innere Gleichgewicht gefährdet.

Schlüsselwörter

wort lieblich brechen schwer wohlerkannte pflicht leider kann

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
Und still in sich zurückgekehrt
Personifikation
Du lockst ihn, der kaum ruhig war