Abschied
1886Sag mir, daß du dich im Föhnwind sehnst Und daß du trauern würdest, Wenn ich ginge. Sag mir, daß diese Tage schön sind Und daß du weinen wirst, Wenn ich nicht singe.
Sag mir, daß du dem Leben gut bist. Sag meiner Stimme, Daß sie nie verwehe… Und daß du heiter und voll frohen Mut bist, Auch wenn ich lange Zeit dich nicht mehr sehe.
Sag mir, daß ich ein töricht Kind bin, Und streichle mich, wie eine junge Meise. Sag mir, daß ich zu dir zurückfind, Auch wenn die Nächte dunkel sind, Durch die ich reise.
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Interpretation
Das Gedicht "Abschied" von Hugo Ball thematisiert die Angst vor dem Verlassenwerden und den Wunsch nach Zuspruch in einer Abschiedssituation. Der lyrische Ich- Sprecher bittet seinen Gesprächspartner um Bestätigung seiner Bedeutung und um Trost angesichts der bevorstehenden Trennung. In den ersten beiden Strophen fordert der Sprecher seinen Partner auf, ihm zu versichern, dass die gemeinsame Zeit schön war und dass er vermisst werden wird. Er möchte hören, dass sein Abschied Schmerz verursacht und dass seine Stimme nicht verhallt. Dies verdeutlicht die tiefe emotionale Bindung und die Angst vor dem Verlust dieser Verbindung. Die dritte Strophe enthält eine Mischung aus Selbstironie und Hoffnung. Der Sprecher bezeichnet sich selbst als "törichtes Kind", was auf eine gewisse Unsicherheit und Verletzlichkeit hindeutet. Gleichzeitig bittet er um Zärtlichkeit ("streichle mich, wie eine junge Meise") und äußert den Wunsch, zurückzukehren, selbst wenn die "Nächte" dunkel sind. Dies kann metaphorisch als die Schwierigkeiten und Herausforderungen auf der Reise des Lebens interpretiert werden. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Stimmung der Wehmut, des Abschiedsschmerzes und der Sehnsucht nach Bestätigung und Zuspruch. Es thematisiert die menschliche Verletzlichkeit in Abschiedssituationen und den Wunsch nach emotionaler Sicherheit und Beständigkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Sag mir, dass...
- Hyperbel
- Sag mir, dass ich ein töricht Kind bin
- Metapher
- Sag meiner Stimme, dass sie nie verwehe
- Personifikation
- Sag meiner Stimme, dass sie nie verwehe
- Vergleich
- Streichle mich, wie eine junge Meise