Abschied
1924Das alte Lied, das alte Leiden, Das jeden Menschen einst betrübt: Ade, ade, jetzt muß ich scheiden Von dir, die ich so sehr geliebt.
Wer kann es sagen, kann es wissen, Ob er die Lieben wiedersieht; Ein letzter Gruß, ein letztes Küssen, Das alte Leid, das alte Lied.
Nun reich’ mir deine beiden Hände, Den letzten Kuß, leb wohl, ade! So laß mich los und mach’ ein Ende – Wer weiß, ob ich dich wiederseh …
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Interpretation
Das Gedicht "Abschied" von Hermann Löns thematisiert die schmerzhafte Erfahrung des Abschiednehmens und die damit verbundene Unsicherheit über eine mögliche Wiederkehr. Der Sprecher reflektiert über das universelle Leid, das jeder Mensch irgendwann erfährt, wenn er sich von einem geliebten Menschen trennen muss. Das wiederkehrende Motiv des "alten Liedes" und des "alten Leides" unterstreicht die zeitlose Natur dieses emotionalen Schmerzes. Im zweiten Teil des Gedichts drückt der Sprecher die Ungewissheit aus, ob er die Geliebte jemals wiedersehen wird. Der Abschied wird als möglicherweise endgültig dargestellt, was die emotionale Intensität der Situation noch verstärkt. Der letzte Kuss und der letzte Gruß werden als kostbare Momente betont, die in ihrer Endgültigkeit besonders schmerzhaft sind. Das Wiederholen der Zeile "Das alte Leid, das alte Lied" am Ende des zweiten Strophenabschnitts verstärkt die tragische Stimmung und die Unausweichlichkeit des Schmerzes. Im letzten Teil des Gedichts wird der Abschied vollzogen. Der Sprecher bittet um die Hände der Geliebten und um den letzten Kuss, bevor er sich endgültig verabschiedet. Der Ausruf "leb wohl, ade!" unterstreicht die Endgültigkeit des Moments. Die abschließende Frage "Wer weiß, ob ich dich wiederseh..." lässt den Leser mit einem Gefühl der Unsicherheit und des Schmerzes zurück, das den Abschied begleitet. Das Gedicht vermittelt auf eindringliche Weise die emotionale Tiefe und die universelle Erfahrung des Abschieds.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Das alte Lied, das alte Leiden, Ade, ade, jetzt muß ich scheiden
- Chiasmus
- Ade, ade, jetzt muß ich scheiden Von dir, die ich so sehr geliebt
- Parallelismus
- Ein letzter Gruß, ein letztes Küssen, Das alte Leid, das alte Lied
- Rhetorische Frage
- Wer kann es sagen, kann es wissen, Ob er die Lieben wiedersieht
- Wiederholung
- Das alte Lied, das alte Leiden