Abschied

Georg Herwegh

1817

Lebwohl! was könnt ich auch dir bieten? Lebwohl! Lebwohl! mein ander Herz! In deiner Hütte schläft der Frieden, Und in die Fremde irrt der Schmerz!

Du bist ein Weib! und eine Stütze Suchst an dem Manne du für dich! Du suchst ein Haupt, verschont vom Blitze, Such einen andern denn als mich!

Du könntest einen Zauber sprechen, Und alle Himmel wären mein! Doch müßte ich den Zauber brechen, Weil deine Ruh der Preis würd sein!

Lebwohl! ich werd dir nicht mehr folgen! Lebwohl! Lebwohl! ich ziehe gern! Lebwohl! Lebwohl! rett vor den Wolken In deinen Himmel dich, mein Stern!

Dein Leben - daß es Gott beschütze - Ein Maitag sei′s im Morgenlicht, Eh ihm der Sonne Glut und Hitze Die Rosen von dem Haupte bricht!

Der Tod sei dir die Hippokrene, Die jeden Durst der Seele stillt; Willkommen wie die erste Träne, Die erster Lieb im Auge quillt!

Der Herr behüte dich in Gnaden! Ein Wetter lagert sich um mich. Es könnte endlich sich entladen Und träfe dann auch dich, auch dich!

Ich will dir nicht den Frieden trüben! Nimmt auch der Wahnsinn ganz mich ein; Lebwohl! ich will dich ewig lieben Und doch von dir geliebt nicht sein!

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Illustration zu Abschied

Interpretation

Das Gedicht "Abschied" von Georg Herwegh handelt von einem schmerzlichen Abschied zwischen zwei Liebenden. Der Sprecher verabschiedet sich von seiner Geliebten, die er als sein "ander Herz" bezeichnet. Er erkennt, dass sie in seiner Hütte Frieden finden würde, während er selbst in die Fremde ziehen muss, um dem Schmerz zu entkommen. Der Sprecher erkennt, dass seine Geliebte einen starken Mann sucht, der ihr als Stütze dienen kann. Er gesteht, dass er nicht der Richtige für sie ist, da er selbst von den Blitzen des Lebens getroffen wurde. Er ist sich bewusst, dass er ihr nicht das geben kann, was sie braucht, und bittet sie, einen anderen Mann zu suchen. Der Sprecher gesteht, dass er seiner Geliebten einen Zauber sprechen könnte, der alle Himmel für sie öffnen würde. Doch er weiß, dass er diesen Zauber brechen müsste, da der Preis für ihre Ruhe zu hoch wäre. Er entscheidet sich daher, sie ziehen zu lassen und ihr Glück woanders zu suchen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke zu Abschied

Stilmittel

Anapher
Lebwohl! Lebwohl! mein ander Herz!
Hyperbel
Und alle Himmel wären mein!
Metapher
Ein Wetter lagert sich um mich
Personifikation
Such einen andern denn als mich!
Symbolik
Ein Maitag sei's im Morgenlicht