Abschied

Frank Wedekind

1905

Die Sinnlichkeit gibt mir Abschiedsfest; Das sind kuriose Gestalten, In Binden gewickelt, in Schienen gepreßt, Und kaum mehr festzuhalten.

Die strahlende Nacktheit such ich so bang, Es fehlt ihr wohl an Vertrauen. Ich hab sie bei gellendem Becherklang Zu häufig zusammen gehauen.

Und ist erst das Seelenleben entweibt, Dann sind sämtliche Lampen erloschen. Für das, was für mich dann noch übrigbleibt, Dafür gebe ich nicht einen Groschen.

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Illustration zu Abschied

Interpretation

Das Gedicht "Abschied" von Frank Wedekind ist eine düstere Reflexion über die Vergänglichkeit der Sinnlichkeit und die Konsequenzen eines ausschweifenden Lebens. Der Sprecher verabschiedet sich von der Sinnlichkeit, die ihm ein "Abschiedsfest" bereitet. Die Bilder von "Binden" und "Schienen" deuten auf Verletzungen und Gebrechlichkeit hin, die durch ein rücksichtsloses Verhalten entstanden sind. Die "kuriosen Gestalten" symbolisieren die Überreste einer einst leidenschaftlichen Existenz, die nun kaum noch zu halten sind. Die zweite Strophe offenbart die Schuld des Sprechers an diesem Zustand. Die "strahlende Nacktheit", ein Symbol für Reinheit und Vertrauen, sucht er vergeblich, da sie durch sein eigenes Handeln verletzt wurde. Der "gellende Becherklang" und das "zusammen hauen" lassen auf exzessiven Alkoholkonsum und gewalttätiges Verhalten schließen. Der Sprecher erkennt, dass er durch seine Exzesse das Vertrauen und die Unschuld zerstört hat, die er einst gesucht hat. In der letzten Strophe wird das endgültige Ende der Sinnlichkeit und Leidenschaft beschworen. Das "Seelenleben" ist "entweibt", was auf einen Verlust der Seele und des Lebenswillens hindeutet. Die erloschenen "Lampen" symbolisieren das Erlöschen der Leidenschaft und des Lebenslichts. Der Sprecher gibt zu, dass ihm das, was nach diesem Verlust übrig bleibt, nichts mehr wert ist. Er ist bereit, keinen "Groschen" dafür zu geben, was auf eine tiefe Enttäuschung und Resignation hindeutet. Das Gedicht endet mit einem bitteren Abschied von einer Lebensweise, die letztlich zu Leere und Verlust geführt hat.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
In Binden gewickelt, in Schienen gepreßt
Hyperbel
Dafür gebe ich nicht einen Groschen
Metapher
Sind sämtliche Lampen erloschen
Personifikation
Die Sinnlichkeit gibt mir Abschiedsfest