Abreise

Ludwig Uhland

1780

So hab ich nun die Stadt verlassen, Wo ich gelebet lange Zeit; Ich ziehe rüstig meiner Straßen, Es gibt mir niemand das Geleit.

Man hat mir nicht den Rock zerrissen, Es wär′ auch schade für das Kleid! Noch in die Wange mich gebissen Vor übergroßem Herzeleid.

Auch keinem hat′s den Schlaf vertrieben, Daß ich am Morgen weiter geh; Sie konnten′s halten nach Belieben, Von einer aber tut mir′s weh.

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Illustration zu Abreise

Interpretation

Das Gedicht "Abreise" von Ludwig Uhland beschreibt die Abreise des lyrischen Ichs aus einer Stadt, in der es lange gelebt hat. Die Stimmung ist ruhig und unaufgeregt, fast schon gleichgültig. Das lyrische Ich zieht allein und ohne Begleitung los, was auf ein eher einsames Dasein hindeutet. Die zweite Strophe spielt mit Erwartungen, die der Leser an eine Abschiedssituation haben könnte. Das lyrische Ich betont, dass es keine emotionalen Ausbrüche oder dramatische Szenen gab. Niemand hat ihm den Rock zerrissen oder ihm aus Herzeleid in die Wange gebissen. Auch der Schlaf wurde durch die Abreise nicht gestört. Dies unterstreicht die kühle, emotionslose Atmosphäre. In der letzten Strophe wird eine Ausnahme erwähnt: "Von einer aber tut mir's weh." Hier deutet sich an, dass es doch eine Person gibt, um die das lyrische Ich trauert oder die es vermisst. Die Abreise fällt dieser einen Person schwer, was auf eine besondere Beziehung hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht einen Eindruck von Einsamkeit, Gleichgültigkeit und einer verborgenen emotionalen Zerrissenheit.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Noch in die Wange mich gebissen Vor übergroßem Herzeleid.
Hyperbel
Es wär′ auch schade für das Kleid!
Ironie
Sie konnten′s halten nach Belieben, Von einer aber tut mir′s weh.
Kontrast
Auch keinem hat′s den Schlaf vertrieben, Daß ich am Morgen weiter geh;
Metapher
So hab ich nun die Stadt verlassen, Wo ich gelebet lange Zeit;