Abendstimmung

Felix Dahn

unbekannt

Noch glastet weit am Himmel Verglühend Abendlicht, Das schimmernd durch die Zweige Entlaubter Bäume bricht.

In purpurfarbnen Flammen Ergießt sich Lebensdrang, Viel heißer als am Mittag, Da die Sonne hoch sich schwang.

Es blickt in die Flammenfunken Mein Auge, Thränen schwer, In tiefer, stummer Sehnsucht Um Schönheit, die nicht mehr!

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Illustration zu Abendstimmung

Interpretation

Das Gedicht "Abendstimmung" von Felix Dahn beschreibt die Stimmung eines herbstlichen Abends. Die untergehende Sonne lässt ein rötliches Licht durch die kahlen Baumzweige brechen. Dieses Licht wird mit "purpurfarbnen Flammen" verglichen, die einen starken Lebensdrang ausdrücken, sogar noch intensiver als zur Mittagszeit. Der Dichter blickt in diese Flammenfunken, wobei sein Auge schwer von Tränen ist. Er empfindet eine tiefe, stille Sehnsucht nach Schönheit, die vergangen ist. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung. Der Herbst als Jahreszeit der Vergänglichkeit wird mit dem Abend als Tageszeit des Nachlassens verglichen. Das leuchtende, aber untergehende Abendrot symbolisiert das Flüchtige des Lebens. Die "purpurfarbnen Flammen" können auch als Metapher für die letzten Aufwallungen des Lebens vor dem endgültigen Erlöschen gesehen werden. Die Sehnsucht des lyrischen Ichs gilt einer verlorenen Schönheit und Jugend. Insgesamt entsteht ein Gefühl von Wehmut und Abschied. Das Gedicht ist in drei vierzeilige Strophen gegliedert, die einen regelmäßigen Rhythmus aufweisen. Die Sprache ist bildhaft und metaphorisch. Besonders die Farben "purpurfarben" und "rot" erzeugen eine intensive, fast dramatische Stimmung. Der Gegensatz von Licht und Dunkelheit, Leben und Vergänglichkeit wird betont. Die Schlusszeile mit der Sehnsucht nach vergangener Schönheit lässt das Gedicht in einer melancholischen Grundstimmung enden.

Schlüsselwörter

glastet weit himmel verglühend abendlicht schimmernd zweige entlaubter

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Stilmittel

Bildsprache
Noch glastet weit am Himmel / Verglühend Abendlicht
Hyperbel
Viel heißer als am Mittag, / Da die Sonne hoch sich schwang
Metapher
In purpurfarbnen Flammen / Ergießt sich Lebensdrang
Personifikation
Das schimmernd durch die Zweige / Entlaubter Bäume bricht.
Symbolik
In tiefer, stummer Sehnsucht / Um Schönheit, die nicht mehr!