Abendständchen
1788Schlafe Liebchen, weils auf Erden Nun so still und seltsam wird! Oben gehn die goldnen Herden, Für uns alle wacht der Hirt.
In der Ferne ziehn Gewitter; Einsam auf dem Schifflein schwank, Greif ich draußen in die Zither, Weil mir gar so schwül und bang.
Schlingend sich an Bäum und Zweigen, In dein stilles Kämmerlein Wie auf goldnen Leitern steigen Diese Töne aus und ein.
Und ein wunderschöner Knabe Schifft hoch über Tal und Kluft, Rührt mit seinem goldnen Stabe Säuselnd in der lauen Luft.
Und in wunderbaren Weisen Singt er ein uraltes Lied, Das in linden Zauberkreisen Hinter seinem Schifflein zieht.
Ach, den süßen Klang verführet Weit der buhlerische Wind, Und durch Schloß und Wand ihn spüret Träumend jedes schöne Kind.
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Interpretation
Das Gedicht "Abendständchen" von Joseph von Eichendorff beschreibt eine nächtliche Szene voller Ruhe und Sehnsucht. Der Sprecher singt ein Lied, um seine Liebste zum Schlafen zu bringen, während er selbst von unruhigen Gefühlen geplagt wird. Die Natur wird als idyllisch und harmonisch dargestellt, mit goldenen Herden am Himmel und einem Hirten, der über alle wacht. Doch in der Ferne ziehen Gewitter auf, was die Stimmung leicht bedrohlich werden lässt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Musik als etwas Magisches und Verzauberndes dargestellt. Die Töne schlingen sich wie goldene Leitern durch das Zimmer der Liebsten und werden von einem wunderschönen Knaben auf einem Schiff durch die Luft getragen. Dieser Knabe spielt auf seiner Zither und singt ein uraltes Lied, das in sanften Zauberkreisen hinter ihm herzieht. Die Musik wird als etwas Unerklärliches und Geheimnisvolles dargestellt, das weit über das Verständliche hinausgeht. Im letzten Teil des Gedichts wird deutlich, dass die Musik nicht nur den Sprecher, sondern auch andere Menschen berührt. Der "buhlerische Wind" verführt den süßen Klang und träumende Kinder spüren ihn durch Schloss und Wand. Die Musik wird somit als etwas Universelles dargestellt, das alle Menschen berührt und verbindet. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Melancholie, da die Musik zwar schön und verzaubernd ist, aber auch unerreichbar und vergänglich.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Und durch Schloß und Wand ihn spüret Träumend jedes schöne Kind.
- Personifikation
- Ach, den süßen Klang verführet Weit der buhlerische Wind