Abendsegen
1979Mündlich.
Der Tag hat seinen Schmuck auf heute weggethan, Es ziehet nun die Nacht die braunen Kleider an; Und deckt die Welt in angenehmer Ruh Mit ihren Schatten zu.
Wohlan ich suche nun auch meine Lagerstadt, Worauf der müde Leib sich zu erquicken hat; Und wo der Geist geruhig und vergnügt In süßer Stille liegt.
Ein gut Gewissen wird mein Abendsegen seyn, Die Unschuld machet mich von aller Falschheit rein, Mein Herz ist treu, wer anders von mir spricht. Der kennet mich noch nicht.
So kleide dich nun aus, mein ungebundner Sinn, Durch dich leg ich vergnügt die Sorgenkleider hin; Die Brust ist frey, die Kummer und Verdruß Bei andern quälen muß.
Ein froh Gemüthe soll mein saubres Nachtzeug seyn, In solchen schlaf ich sanft und ohne Schwermuth ein; Und machte mir auch was Melancholey, So schwebt sie doch vorbey.
Der Himmel wacht bei mir, sein Auge das mich kennt, Muß mir die Lampe seyn, die mir zum Troste brennt; Und weil das Oel der Gnade nie gebricht, Ach so verlöscht sie nicht.
Die süßre Hoffnung ist auf meinen Dienst bereit, Die lauter Rosen mir zum Ruhebette streut; Und die Geduld deckt mich mit Myrthen zu, So schön ist meine Ruh.
Zum Schlafgesellen nehm ich die Vergnügung an, Die drück ich an mein Herz, so fest ich immer kann, Man schläft, wenn so ein Schaz in Armen liegt, Unmöglich mißvergnügt.
Und treibt ihr Träume ja ein Sinnenspiel mit mir, So stellt in süßer Ruh mir meine Freundinn für; Vielleicht wird das, was jetzt ein Schatten ist, Noch in der That geküßt.
Nun dir befehl ich mich, du angenehme Nacht, Und wenn das Morgengold am frühen Himmel lacht, So werde doch dem Herzen das geschenkt, Worauf es schlafend denkt.
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Interpretation
Das Gedicht "Abendsegen" von Achim von Arnim ist ein lyrisches Werk, das den Übergang vom Tag zur Nacht und die damit verbundenen Gefühle und Gedanken thematisiert. Der Sprecher beschreibt die Abendstimmung und seine Vorbereitungen auf die Nacht, wobei er verschiedene Metaphern und Bilder verwendet, um seine innere Verfassung auszudrücken. Der erste Teil des Gedichts beschreibt den natürlichen Übergang von Tag zu Nacht, wobei der Tag seinen "Schmuck" ablegt und die Nacht mit ihren "braunen Kleidern" kommt. Der Sprecher sucht nun seine "Lagerstadt", einen Ort der Ruhe und Erholung für Körper und Geist. Er betont die Bedeutung eines "guten Gewissens" als seinen "Abendsegen" und seine Unschuld, die ihn von aller Falschheit reinigt. Im weiteren Verlauf des Gedichts beschreibt der Sprecher seine innere Einstellung zur Nacht und zum Schlaf. Er betont die Bedeutung eines "frohen Gemüts" als sein "Nachtzeug" und die Rolle von Himmel, Hoffnung und Geduld in seinem Abendsegen. Der Sprecher wählt auch die "Vergnügung" als seinen "Schlafgesellen" und hofft auf süße Träume, in denen er vielleicht seine "Freundin" küssen kann. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich der Sprecher direkt an die Nacht und bittet sie, ihm das zu schenken, "worauf sein Herz schlafend denkt", wenn der Morgen anbricht. Das Gedicht endet mit einem hoffnungsvollen und erwartungsvollen Ton, der die Erwartung des Sprechers auf die kommende Nacht und den neuen Tag zum Ausdruck bringt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Nun dir befehl ich mich, du angenehme Nacht
- Personifikation
- Und treibt ihr Träume ja ein Sinnenspiel mit mir