Abends
1817Du siehst den Himmel sich mit Purpur schmücken, Doch alsbald, wie herauf die Sterne steigen, Sich hinterm Berg hinab den Purpur neigen, Denn er verschmäht′s, mit ihnen sich zu sticken.
Soll ich das Herz mit seinem Haupte flicken? - Wenn abends stolz sich die Gedanken zeigen, Dann wird das Herz, krank, müd und todwundt, schweigen, Sein flammend Mal entziehn den Zweifelblicken.
Nacht ist′s, ob tausend Stern am Himmel stehen, nacht, trotz des Hauptes blitzenden Gedanken, Tag, wenn vorm Frühlicht beide erst vergehen,
Wenn in des Morgens Purpur sie ertranken, Das Herz läßt seine roten Fahnen wehen Und in ihm unter die Gedanken sanken.
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Interpretation
Das Gedicht "Abends" von Georg Herwegh beschreibt den Übergang vom Tag zur Nacht und den damit verbundenen Wechsel der Stimmung und der inneren Zustände. Der erste Teil des Gedichts malt das Bild eines Himmels, der sich mit Purpur schmückt, aber dann, als die Sterne aufgehen, den Purpur hinter dem Berg verschwinden lässt. Dies könnte als Metapher für die Vergänglichkeit und den Wechsel von Schönheit und Pracht verstanden werden. Im zweiten Teil des Gedichts wendet sich Herwegh dem Herzen und dem Haupt zu. Das Herz wird als krank, müde und todwund beschrieben, das schweigt und sein flammendes Mal den zweifelnden Blicken entzieht. Das Haupt hingegen zeigt stolz seine Gedanken, die wie ein Blitz funkeln. Diese Gegenüberstellung von Herz und Haupt könnte als Ausdruck des Konflikts zwischen Emotion und Vernunft interpretiert werden. Der letzte Teil des Gedichts beschreibt den Übergang von Nacht zu Tag. Trotz tausend Sternen am Himmel ist es Nacht, wenn das Haupt mit seinen blitzenden Gedanken dominiert. Erst wenn beide, Herz und Haupt, vor dem Morgengrauen vergehen, wird es Tag. Das Herz lässt dann seine roten Fahnen wehen und sinkt unter die Gedanken. Dies könnte als Versöhnung oder Integration der emotionalen und rationalen Anteile verstanden werden, die gemeinsam einen neuen Tag einläuten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Nacht ist's, ob tausend Stern am Himmel stehen
- Metapher
- Das Herz läßt seine roten Fahnen wehen
- Personifikation
- Denn er verschmäht's, mit ihnen sich zu sticken