Abendrot im Walde
1892In den Wald bin ich geflüchtet, Ein zu Tod gehetztes Wild, Da die letzte Glut der Sonne Längs den glatten Stämmen quillt.
Keuchend lieg ich. Mir zu Seiten Blutet, siehe, Moos und Stein - Strömt das Blut aus meinen Wunden? Oder ists der Abendschein?
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Abendrot im Walde" von Conrad Ferdinand Meyer handelt von einem verzweifelten Menschen, der sich in den Wald flüchtet, um vor seinen Verfolgern zu entkommen. Er vergleicht sich selbst mit einem gehetzten Wildtier, das vor der Jagd flieht. Die letzte Glut der untergehenden Sonne spiegelt sich in den glatten Baumstämmen wider und taucht den Wald in ein rötliches Licht. Der Flüchtende liegt keuchend am Boden und bemerkt, dass zu seinen Seiten Moos und Steine blutrot erscheinen. Er fragt sich, ob das Blut aus seinen eigenen Wunden stammt oder ob es lediglich der Schein der Abendsonne ist, der alles in ein blutiges Licht taucht. Diese Zweideutigkeit verstärkt die bedrückende Atmosphäre des Gedichts und lässt den Leser am Ende über das Schicksal des Flüchtenden im Unklaren. Das Gedicht vermittelt eindrucksvoll die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit eines Menschen, der vor seinen Verfolgern flieht. Die Natur wird dabei zur Kulisse für das Drama des Einzelnen, der sich hilflos und gejagt fühlt. Die Zweideutigkeit des blutroten Lichts am Ende lässt den Leser über das Schicksal des Flüchtenden grübeln und verstärkt die düstere Stimmung des Gedichts.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Ein zu Tod gehetztes Wild
- Personifikation
- Die letzte Glut der Sonne
- Rhetorische Frage
- Strömt das Blut aus meinen Wunden? ODER ists der Abendschein?
- Vergleich
- Blutet, siehe, Moos und Stein