Abendröte

Peter Hille

1879

Sieh da droben die Rosen! Ein glüher Jubel Die Wangen der Nacht In Scharlach und Purpurpracht.

Nun ist da droben Hochzeit: Die Königskinder des Himmelreiches.

Strenge Augen erster Schönheit, Frieden frierend, Wie vor kämpfend heißen Rosen Wunden an den schweren Schmuck goldspielender Brokate Des Samtes tiefenweiches Blut, Gebettet in des Schnees nachtgeflammte, Flockenzarte Wärme: den hehren Hermelin.

Die Kränze nehmen sie von herben Scheiteln ab Und heben Bechertau an ihres Lebens Rötlich reine Kelche, Und verwunden Die Verklärung Saftigherber Früchte.

Des strengen Lagers scheue Falten warten…

Wie entsetzlich ist Schönheit!…

Wie eine Siegesfahne hält Der Himmel Des Lebens leuchtendrote Brunst mit aller seiner Adlermacht. Der Sieger sinkt. Die Nacht fällt in den Wein.

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Illustration zu Abendröte

Interpretation

Das Gedicht "Abendröte" von Peter Hille ist eine sinnliche und metaphorische Beschreibung des Sonnenuntergangs, der als ein Fest im Himmel dargestellt wird. Die Abendröte wird mit einer Hochzeit verglichen, bei der die "Königskinder des Himmelreiches" in prächtigen Farben wie Scharlach und Purpur erscheinen. Die Stimmung ist von einer Mischung aus Schönheit und Strenge geprägt, die durch die Verwendung von Bildern wie "strengen Augen" und "kämpfend heißen Rosen" zum Ausdruck kommt. Die zweite Strophe führt den Hermelin ein, ein Symbol für Reinheit und Adel, der in der Wärme des Schnees gebettet ist. Die "Kränze" und "Bechertau" in der dritten Strophe könnten auf die Feierlichkeiten anspielen, bei denen die "Königskinder" ihre Kränze abnehmen und auf das Leben anstoßen. Die "saftig-herben Früchte" könnten die Früchte des Lebens symbolisieren, die sowohl süß als auch bitter sind. Die letzte Strophe bringt eine dramatische Wendung, indem sie die Schönheit als etwas Erschreckendes darstellt ("Wie entsetzlich ist Schönheit!"). Der Himmel wird als ein Ort der Leidenschaft und Stärke beschrieben, der das Leben in seiner "leuchtendroten Brunst" hält. Der "Sieger" könnte die Sonne sein, die untergeht, und die "Nacht", die in den "Wein" fällt, könnte den Übergang von Tag zu Nacht symbolisieren, wobei der "Wein" möglicherweise für das Blut oder die Leidenschaft des Lebens steht.

Schlüsselwörter

droben rosen nacht schönheit lebens sieh glüher jubel

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Stilmittel

Metapher
Die Nacht fällt in den Wein
Personifikation
Die Königskinder des Himmelreiches