Abendphantasie
1795Süßes Bild, Schwebst mir vor mit leisem Sehnen! Klagst mit wehmuthsvollen Thränen, Tief in Trauerflor verhüllt.
Wonnezeit! Ach! Umstrahlt von Frühlingsmilde, Froh in Tempe′s Lichtgefilde, Lebt′ ich dir, o Zärtlichkeit.
Thränen fließt! Thauend, wie die kleine Quelle Rieselnd, perlend, Well′ an Welle Über Blumen sich ergießt.
Alles schweigt! Kaum, daß in des Westes Flüstern, Unterm Schattendach des düstern Tannenhains, der Halm sich beugt.
Holder Traum! Fliehe nicht auf Rosenflügeln; Weile an des Baches Spiegeln, Suche nicht des Aethers Raum.
Es entschwand! … So entfloh vor Psyche′s Kusse Amor, da mit holdem Gruße Sie: Geliebter ihn genannt.
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Interpretation
Das Gedicht "Abendphantasie" von Friederike Sophie Christiane Brun beginnt mit einer süßen Vision, die dem lyrischen Ich erscheint. Diese Vision wird mit sanftem Sehnen beschrieben und klagt mit wehmütigen Tränen, tief in Trauerflor verhüllt. Es ist eine emotionale und melancholische Stimmung, die das Gedicht einleitet. In der zweiten Strophe erwacht die Sehnsucht nach einer Zeit der Wonne und Zärtlichkeit. Der Frühling mit seiner milden Umgebung wird erwähnt, und das lyrische Ich sehnt sich danach, in der Nähe dieser Zärtlichkeit zu leben. Es ist eine Sehnsucht nach einer glücklichen und liebevollen Zeit, die nun vergangen ist. Die dritte Strophe beschreibt das Fließen von Tränen, vergleichbar mit einer kleinen Quelle, die perlend und rieselnd über Blumen fließt. Die Tränen werden als Ausdruck von Trauer und Sehnsucht dargestellt. In der vierten Strophe wird eine ruhige Atmosphäre beschrieben, in der alles schweigt. Nur ein Hauch im Westen und das Flüstern unter einem Tannenhain sind zu hören. Der Halm beugt sich unter dem Schattendach des düsteren Hains. Die fünfte Strophe bittet den holden Traum, nicht auf Rosenflügeln zu entfliehen. Das lyrische Ich möchte, dass der Traum an dem Spiegel des Baches verweilt und nicht in den Ätherraum entflieht. Es ist ein Wunsch nach der Bewahrung des Traums und der Vermeidung seines Verschwindens. In der letzten Strophe wird eine Parallele zur griechischen Mythologie gezogen. Der Amor, der Gott der Liebe, floh vor Psyche's Kuss, als sie ihn liebevoll ansprach. Es wird deutlich, dass auch der Traum vor der Berührung des lyrischen Ichs entflieht, ähnlich wie Amor vor Psyche's Gruß. Das Gedicht endet mit einem Gefühl des Verlusts und der Unerreichbarkeit des Geliebten. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine melancholische Stimmung der Sehnsucht und des Verlusts. Es beschreibt die Flüchtigkeit von Träumen und die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zurückzubringen. Die Sprache ist poetisch und bildhaft, und die Strophen sind durchgehend in gereimten Versen verfasst.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- So entfloh vor Psyche′s Kusse Amor
- Metapher
- Fliehe nicht auf Rosenflügeln
- Onomatopoesie
- Rieselnd, perlend
- Personifikation
- Alles schweigt
- Vergleich
- Thauend, wie die kleine Quelle