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Abendmahl

Von

Joh. 6, 55.

mein Blut ist der rechte Trank.

Reicher König, Wirt voll Gnaden,
Mich verlangt nach deinem Mahl;
Deine Knechte gingen laden,
Rufend über Berg und Tal;
Was da mag an Erdentischen
Köstliches bereitet sein:
Herzen kannst nur du erfrischen,
Seelen sättigst du allein.

Zwar der Weltlust Goldpokale
Seh ich hier nicht aufgestellt,
Finde nichts beim ersten Mahle,
Was den Sinnen wohlgefällt;
Doch ein Brot wird hier gebrochen,
Und ein Trank wird hier gereicht,
Und ein Gruß wird hier gesprochen,
Dem kein irdisch Labsal gleicht.

Eine Königin vor Zeiten
Pries man mir im Heidenland,
Die, ein Festmahl zu bereiten,
Millionen aufgewandt,
Denn statt Allem, was beim Mahle,
Fürstenlippen sonst ergötzt,
War dem Gast nur eine Schale
Herben Weines vorgesetzt.

Aber in dem schlechten Tranke,
Dran der hohe Gast sich stößt,
Hat sie ihm zu Lieb und Danke
All ihr Bestes aufgelöst:
Eine Perle, welcher keine
Rings in allen Landen gleich,
Eine Perle schwamm im Weine,
Wert ein halbes Königreich.

Doch von deiner Zauberschale,
buhlerische Königin,
Wend’ ich mich zum Liebesmahle
Meines guten Hirten hin,
Denn in diesem Nachtmahlstücke
Reicht er mir ein Kleinod dar,
Eine Perle, gegen welche
Dein Juwel ein Spielzeug war.

Diese Perle, unvergleichbar
Jedem irdischen Gewinn,
Diese Perle, unerreichbar
Für den großen Fleischessinn,
Diese Perle, die mit Bluten
Mir mein Heiland einst errang,
Als er aus des Todes Fluten
Siegreich sich zum Lichte schwang;

Diese Perle heißet F r i e d e ,
Friede, den die Welt nicht hat,
Kraft für Schwache, Ruh und Müde,
Trost für die, so sündenmatt;
Alles Erdenleid muss schwinden,
Aller Erdenglanz verglimmt,
Darf ich diese Perle finden,
Die im Nachtmahlkelche schwimmt.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Abendmahl von Karl von Gerok

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Abendmahl“ von Karl von Gerok ist eine tiefgründige Betrachtung des christlichen Abendmahls und seiner spirituellen Bedeutung, inspiriert von Johannes 6,55 („Mein Blut ist der rechte Trank“). Es präsentiert eine Gegenüberstellung zwischen weltlichen Festen und dem sakramentalen Mahl Jesu, wobei die wahre Erfüllung und der unschätzbare Wert des Friedens im Zentrum stehen.

Gerok beginnt mit einem Ausdruck der Sehnsucht nach dem Abendmahl. Er bekennt sein Verlangen nach der spirituellen Nahrung, die dort gefunden werden kann, und betont, dass nur Gott die Herzen erfrischen und die Seelen sättigen kann. Im Kontrast dazu steht die Welt, die zwar materielle Freuden bietet, aber nicht die wahre Erfüllung, die der Gläubige sucht. Die Abwesenheit von weltlichem Prunk im Abendmahl, wie Goldpokalen, wird hervorgehoben, um die Konzentration auf das Wesentliche zu lenken.

Das Gedicht vergleicht das Abendmahl mit einer Anekdote über eine Königin, die bei einem Festmahl ihren Gästen eine Schale mit Wein servierte, in der sie eine kostbare Perle aufgelöst hatte. Dieses Bild dient als Allegorie für die Wertschätzung und Hingabe, die im Abendmahl zum Ausdruck kommt. Die Perle in der Schale der Königin symbolisiert das Wertvolle, das geopfert und eingesetzt wird, um anderen Freude zu bereiten. Gerok wendet sich jedoch von dieser weltlichen Geste ab und wählt stattdessen das Liebesmahl Jesu.

Im Zentrum des Gedichts steht die „Perle“, die im Abendmahl gefunden wird: der Friede. Dieser Friede, so betont der Dichter, ist von unschätzbarem Wert, unerreicht von weltlichen Gütern und Errungenschaften. Er ist ein Geschenk Jesu, erworben durch sein Opfer am Kreuz („als er aus des Todes Fluten/ Siegreich sich zum Lichte schwang“). Der Friede bietet Kraft, Ruhe und Trost für die Schwachen und Sünder und lässt alles irdische Leid und den Glanz der Welt verblassen. Das Gedicht endet mit einer Hoffnung auf das Finden dieser Perle im Abendmahl, wodurch die ewige und erlösende Bedeutung des Glaubens hervorgehoben wird.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.