Abendlandschaft am Genfersee
1765Spiegelnd ruht Hier die Flut. Kreisend seh ich Fischlein blinken; Aus dem Busche singen Finken.
Still im Tau Ruht die Au. Dämmrung hüllt die schwanken Wipfel, Deckt der runden Hügel Gipfel.
Veilchenduft Füllt die Luft; Grünlich knospen junge Bäume, Und der Hain treibt braune Keime.
Purpurn blinkt, Traulich sinkt Dort am Jura hin die Sonne, Und im Tal lacht Abendwonne.
Hoch verschwebt, Gold umbebt, Ragt weit in des Äthers Grenzen, Weißer Berg! Dein reines Glänzen.
Nächtlich schwer, Um mich her, Stehn Savoyens Felsenmauern, Überwallt mit Nebelsschauern.
Weit und breit, Blaß verstreut, Starren Zacken, Häupter, Trümmer; Nur den Dom kränzt Rosenschimmer.
Stets zurück Kehrt mein Blick. Süßer Anblick! O ich sehe Tief im See die Strahlenhöhe.
Ruhig wallt Mild umstrahlt Jetzt der Mond am Azurhimmel; Um ihn her das Sterngewimmel.
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Interpretation
Das Gedicht "Abendlandschaft am Genfersee" von Friederike Sophie Christiane Brun beschreibt eine ruhige und idyllische Abendstimmung am Genfersee. Die Dichterin nutzt lebendige Bilder und sinnliche Details, um die Schönheit der Natur und die friedliche Atmosphäre der Landschaft einzufangen. Der See spiegelt sich, Fische blinken im Wasser, und Vögel singen in den Büschen. Die Dämmerung legt sich über die schwankenden Baumwipfel und bedeckt die Hügelgipfel. Der Duft von Veilchen erfüllt die Luft, während junge Bäume grünen und der Hain braune Keime treibt. Die untergehende Sonne am Jura leuchtet in purpurroten Farben, und im Tal breitet sich die Abendwonne aus. Der weiße Berg ragt hoch in den Äther, umgeben von goldenem Glanz. Die Felsenmauern von Savoyen stehen schwer und von Nebelschauern überwältigt. Die zerklüfteten Gipfel, Häupter und Trümmer sind weit und blass verstreut, doch der Dom ist von Rosenschimmer umkränzt. Der Blick der Dichterin kehrt immer wieder zu diesem süßen Anblick zurück, tief im See die Strahlenhöhe sehend. Schließlich tritt der Mond in den azurblauen Himmel und strahlt milde. Um ihn herum wimmelt es von Sternen. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und eine kontemplative Stimmung, die den Leser in die friedliche Abendlandschaft am Genfersee eintauchen lässt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Spiegelnd ruht Hier die Flut
- Assonanz
- Kreisend seh ich Fischlein blinken
- Enjambement
- Spiegelnd ruht Hier die Flut. Kreisend seh ich Fischlein blinken
- Metapher
- Dämmrung hüllt die schwanken Wipfel
- Personifikation
- Und im Tal lacht Abendwonne
- Symbolik
- Weißer Berg! Dein reines Glänzen
- Synästhesie
- Veilchenduft Füllt die Luft
- Tropus
- Um mich her Stehn Savoyens Felsenmauern
- Vergleich
- Um ihn her das Sterngewimmel