Abendgefühl
1813Friedlich bekämpfen Nacht sich und Tag. Wie das zu dämpfen, Wie das zu lösen vermag!
Der mich bedrückte, Schläfst du schon Schmerz? Was mich beglückte, Sage, was war′s doch, mein Herz?
Freude, wie Kummer, Fühl ich zerrann, Aber den Schlummer Führten sie leise heran.
Und im Entschweben, Immer empor, Kommt mir das Leben Ganz, wie ein Schlummerlied vor.
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Interpretation
Das Gedicht "Abendgefühl" von Friedrich Hebbel beschreibt die Übergangszeit vom Tag zur Nacht als einen friedlichen Kampf zwischen zwei entgegengesetzten Kräften. Der Dichter fragt sich, wie man diesen Konflikt dämpfen oder lösen kann, und spiegelt damit die menschliche Suche nach innerem Frieden wider. Diese Stimmung des Innehaltens und Nachdenkens zieht sich durch das gesamte Gedicht. Im zweiten Teil richtet der Sprecher seine Fragen an abstrakte Begleiter wie Schmerz und Herz, um das Gefühl des Abends zu ergründen. Er fragt, ob der Schmerz, der ihn bedrückte, bereits schläft, und sucht nach der Quelle der Freude, die ihn erfüllte. Doch sowohl Freude als auch Kummer sind bereits verklungen, und nur der sanfte Schlaf bleibt als gemeinsames Erbe zurück. Das Leben erscheint in diesem Moment wie ein Wiegenlied, das in die Unendlichkeit führt. Die letzten Zeilen des Gedichts vermitteln ein Gefühl von Erhebung und Transzendenz. Der Sprecher fühlt sich, als würde er in eine höhere Sphäre aufsteigen, während das Leben selbst wie ein Schlummerlied vor ihm liegt. Diese Metapher deutet auf eine Versöhnung mit dem Vergänglichen hin und lässt das Leben in seiner Gesamtheit als etwas Schönes und Beruhigendes erscheinen, das in der Stille des Abends zur Ruhe kommt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Friedlich bekämpfen, Nacht sich und Tag
- Anapher
- Wie das zu dämpfen, Wie das zu lösen
- Metapher
- Leben ganz, wie ein Schlummerlied
- Parallelismus
- Was mich beglückte, Sage, was war's doch, mein Herz?
- Personifikation
- Nacht sich und Tag
- Rhetorische Frage
- Schläfst du schon Schmerz?