Abendgebet einer erkälteten Negerin
1883Ich suche Sternengefunkel. Sonne brennt mich dunkel. Sonne drohet mit Stich. Warum brennt mich die Sonne im Zorn? Warum brennt sie gerade mich? Warum nicht Korn? Ich folge weißen Mannes Spur. Der Mann war weiß und roch so gut. Mir ist in meiner Muschelschnur So neglige zu Mut. Kam in mein Wigwam Weit über das Meer, Seit er zurückschwamm, Das Wigwam Blieb leer. Drüben am Walde Kängt ein Guruh – Warte nur balde Kängurst auch du.
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Interpretation
Das Gedicht "Abendgebet einer erkälteten Negerin" von Joachim Ringelnatz handelt von der Sehnsucht einer Frau nach Schutz und Geborgenheit. Die Protagonistin sucht Trost in den Sternen, während die Sonne sie dunkel brennt und mit Stich droht. Sie fragt sich, warum gerade sie von der Sonne gezeichnet wird und nicht das Korn. Die Frau folgt der Spur eines weißen Mannes, der gut roch und in ihr Wigwam kam. Doch seit er über das Meer zurückgeschwommen ist, bleibt das Wigwam leer. Die Protagonistin fühlt sich neglige in ihrer Muschelschnur und sehnt sich nach der Rückkehr des Mannes. Sie hört ein Guruh am Walde und wartet darauf, dass auch sie bald kängt. Das Gedicht beschreibt die Einsamkeit und das Verlangen der Frau nach einem Partner, der ihr Schutz und Geborgenheit bietet. Die Verwendung von ungewöhnlichen Wörtern und Ausdrücken wie "Kängurst" und "Guruh" verstärkt die exotische und fremde Atmosphäre des Gedichts.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Warum brennt mich die Sonne im Zorn? Warum brennt sie gerade mich?
- Frage
- Warum brennt mich die Sonne im Zorn? Warum brennt sie gerade mich? Warum nicht Korn?
- Kontrast
- Der Mann war weiß und roch so gut
- Metapher
- Sonne brennt mich dunkel
- Personifikation
- Sonne drohet mit Stich
- Wiederholung
- Wigwam