Abendgang
1915Durch schmiege Nacht Schweigt unser Schritt dahin Die Hände bangen blaß um krampfes Grauen Der Schein sticht scharf in Schatten unser Haupt In Schatten Uns! Hoch flimmt der Stern Die Pappel hängt herauf Und Hebt die Erde nach Die schlafe Erde armt den nackten Himmel Du schaust und schauerst Deine Lippen dünsten Der Himmel küßt Und Uns gebärt der Kuß!
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Interpretation
Das Gedicht "Abendgang" von August Stramm schildert einen nächtlichen Spaziergang durch eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre. Die Nacht wird als "schmiege" beschrieben, was eine enge, fast erdrückende Umgebung andeutet. Die Schritte der Wanderer sind still, während ihre Hände vor Angst zittern. Der scharfe Schein durchdringt ihre Schatten und blendet sie, was die Desorientierung und Verwirrung der Figuren unterstreicht. Die Natur wird als bedrohlich und übermächtig dargestellt. Der Stern flimmert hoch am Himmel, während die Pappel sich heraufhängt und die Erde den nackten Himmel umarmt. Diese Bilder vermitteln eine Ahnung von der Unendlichkeit des Universums und der Bedeutungslosigkeit des Menschen. Die Erde wird als "schlafe" beschrieben, was auf eine Art von Tod oder Erstarrung hindeutet. Die abschließenden Zeilen des Gedichts bringen eine überraschende Wendung. Trotz der bedrohlichen Atmosphäre und der Angst der Wanderer, entsteht durch den Kuss des Himmels eine Art von Geburt oder Neubeginn. Die Lippen der Figur dünsten, was auf eine Art von Leidenschaft oder Verlangen hindeutet. Der Kuss des Himmels könnte als eine Art von Erlösung oder Transzendenz interpretiert werden, die den Wanderern eine neue Perspektive oder Hoffnung gibt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schweigt unser Schritt dahin, Der Schein sticht scharf
- Enjambement
- Und Hebt die Erde nach
- Metapher
- Der Himmel küßt
- Personifikation
- Die Pappel hängt herauf, Die schlafe Erde armt den nackten Himmel
- Wiederholung
- In Schatten, Uns!