Abendbilder
18021 Friedlicher Abend senkt sich aufs Gefilde; Sanft entschlummert Natur, um ihre Züge Schwebt der Dämmerung zarte Verhüllung, und sie Lächelt, die holde;
Lächelt, ein schlummernd Kind in Vaters Armen, Der voll Liebe zu ihr sich neigt; sein göttlich Auge weilt auf ihr, und es weht sein Odem Über ihr Antlitz.
2 Stille wirds im Walde; die lieben kleinen Sänger prüfen schaukelnd den Ast, der durch die Nacht dem neuen Fluge sie trägt, den neuen Liedern entgegen.
Bald versinkt die Sonne; des Waldes Riesen Heben höher sich in die Lüfte, um noch Mit des Abends flüchtigen Rosen sich ihr Haupt zu bekränzen.
Schon verstummt die Matte; den satten Rindern Selten nur enthallt das Geglock am Halse, Und es pflückt der wählende Zahn nur lässig Dunklere Gräser.
Und dort blickt der schuldlose Hirt der Sonne Sinnend nach; dem Sinnenden jetzt entfallen Flöt und Stab, es falten die Hände sich zum Stillen Gebete.
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Interpretation
Das Gedicht "Abendbilder" von Nikolaus Lenau beschreibt die friedliche und sanfte Atmosphäre eines Abends. Die Natur wird als schlafend dargestellt, von einem zarten Schleier der Dämmerung umgeben. Die Natur lächelt wie ein schlummerndes Kind in den Armen eines liebenden Vaters, der auf sie herabschaut und seinen Atem über ihr Gesicht wehen lässt. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Stille im Wald betont. Die kleinen Vögel schaukeln auf den Ästen und bereiten sich auf ihren Flug in die Nacht und ihre neuen Lieder vor. Die riesigen Bäume erheben sich in die Lüfte, um noch mit den flüchtigen Rosen des Abends ihre Kronen zu schmücken. Die Wiese verstummt, und die satten Rinder hören nur selten das Glockenläuten am Hals. Sie picken lässig dunklere Gräser. Der schuldlose Hirte blickt sinnend der Sonne nach, und seine Flöte und sein Stab fallen ihm ab, während er die Hände zum stillen Gebet faltet. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre der Ruhe, des Friedens und der Andacht. Die Natur wird als schlafendes Kind dargestellt, das von einem göttlichen Vater behütet wird. Die Stille im Wald und auf der Wiese unterstreicht die friedliche Stimmung. Der Hirte, der die Sonne betrachtet und zum Gebet neigt, symbolisiert die spirituelle Verbundenheit mit der Natur und dem Göttlichen. Das Gedicht lädt den Leser ein, die Schönheit und Ruhe des Abends zu genießen und sich in die Stille und Andacht zu versenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die Hände sich zum Stillen Gebete falten
- Metapher
- Friedlicher Abend senkt sich aufs Gefilde
- Personifikation
- Der schuldlose Hirt der Sonne blickt sinnend nach
- Vergleich
- Lächelt, ein schlummernd Kind in Vaters Armen