Abend
1915Müde webt Stumpfen dämmert Beten lastet Sonne wundet Schmeichelt Du.
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Interpretation
Das Gedicht "Abend" von August Stramm ist ein kurzes, aber intensives Werk, das die Stimmung und Atmosphäre des Abenddunkels einfängt. Durch die Verwendung von kurzen, prägnanten Worten und einer ungewöhnlichen Syntax schafft Stramm eine dichte, fast klaustrophobische Stimmung, die den Leser in den Bann zieht. Die einzelnen Wörter und Phrasen des Gedichts scheinen wie einzelne Bilder oder Eindrücke, die sich zu einem Gesamtbild des Abends zusammenfügen. "Müde webt" und "Stumpfen dämmert" deuten auf eine langsame, träge Bewegung hin, während "Beten lastet" und "Sonne wundet" eine gewisse Schwere und Spannung vermitteln. Das letzte Wort "Du" scheint den Leser direkt anzusprechen und in die Szene einzubeziehen. Die ungewöhnliche Syntax und die fehlende Interpunktion tragen zur Dichte und Intensität des Gedichts bei. Die Wörter scheinen wie einzelne Pinselstriche auf einer Leinwand zu sein, die sich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Die fehlende Interpunktion lässt das Gedicht wie einen einzigen, fließenden Gedanken erscheinen, der sich durch den Abend zieht. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein Gefühl von Melancholie und Erschöpfung, das typisch für den Abend ist. Die "wunde" Sonne und das "lastende" Beten deuten auf eine Art von Schmerz oder Leid hin, das sich am Ende des Tages bemerkbar macht. Gleichzeitig gibt es aber auch eine gewisse Schönheit und Anmut in der Art, wie sich der Abend entfaltet, wie die "schmeichelnde" Sonne und die Einbeziehung des Lesers durch das "Du" zeigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Müde webt
- Enjambement
- Müde webt Stumpfen dämmert Beten lastet Sonne wundet Schmeichelt Du.
- Kontrast
- Müde webt / Stumpfen dämmert
- Metaphor
- Beten lastet
- Personifikation
- Sonne wundet