Abend
1918Schwarze Moose. Erdgeruch in lauen Flocken. Schmale dünne Silberblüten Und Gesang von bleichen Glocken.
Welke Feuer löschen leise. Nur ein Atmen warmer Flut. Blühend schmelzen rote Meere, Dunkle Sonnen saugen Blut.
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Interpretation
Das Gedicht "Abend" von Max Dauthendey beschreibt eine mystische und düstere Atmosphäre, die den Übergang vom Tag zur Nacht begleitet. Die ersten Zeilen evozieren ein Bild von dunklen, feuchten Moosen und dem erdigen Geruch, der in sanften Flocken aufsteigt. Die "Silberblüten" und der "Gesang von bleichen Glocken" verstärken die geisterhafte Stimmung und deuten auf eine Welt hin, die zwischen Leben und Tod schwebt. Im zweiten Teil des Gedichts setzt sich die düstere Stimmung fort. Die "welken Feuer" löschen leise, was den allmählichen Verlust des Lichts und der Wärme symbolisiert. Das "Atmen warmer Flut" könnte auf ein letztes Aufbäumen des Lebens hindeuten, bevor die Nacht hereinbricht. Die "blühenden roten Meere" und die "dunklen Sonnen" schaffen ein Bild von einer Welt, in der die Grenzen zwischen Leben und Tod, Licht und Dunkelheit verschwimmen. Die "dunklen Sonnen" saugen das Blut, was eine vampirische oder parasitäre Qualität der Nacht andeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre des Übergangs und des Verfalls, in der die natürlichen Elemente eine fast übernatürliche Qualität annehmen. Die Sprache ist reich an Bildern und Metaphern, die eine tiefe, fast unheimliche Schönheit der Abenddämmerung einfangen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schmale dünne Silberblüten
- Metapher
- Dunkle Sonnen saugen Blut
- Personifikation
- Welke Feuer löschen leise
- Synästhesie
- Erdgeruch in lauen Flocken