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A la Gabriel Max

Von

O laß mich, laß mich,
Du blasse Dirne,
Du so heiß begehrtes,
So schnöde verdammtes
Kind der Sünde!
Was soll das Lächeln,
Da sinnverwirrende,
Das den reizenden
Kleinen schwellenden Mund
Dir so lieblich umknospet?
Was soll deiner großen
Nachtschwarzen Kinderaugen
Wehmüthige Räthselfrage,
All‘ die bachantische Glut,
All‘ das lustsatte Leid,
Das dein müdes Gesichtchen
Mir wechselnd kündet?
Ich kann dich nicht retten
Aus dem Pfuhl der Verderbniß,
Du schöne Verlorene! …
Nicht darf ich mehr bergen
Dein süßes Lockenhaupt
An meine starke
Pochende Männerbrust,
Nicht mehr mit zitternden Fingern
Voll seliger Trunkenheit
Wühlen in deinem Seidenhaar.
Ich lieb‘ eine Andere! …
Wie du mich liebst
Mit all‘ der Stärke und Reine
Und thaufrischen Frühlingsempfindung
All‘ der herzfüllenden Leidenschaft
Der wahren Liebe! – – –
Ach, nicht deiner Seele
Holdes Geheimniß
Suchte ich brünstig,
Aug‘ in Auge gesenkt
Lippe hangend an Lippe
In der Wollustumarmung
Wildlodernder Küsse,
Nur deines Leibes
Jungfräulich herber
Berauschender Dufthauch
Trieb mich fiebernd
In deine weichen Arme,
Daß ich wild an mich preßte
Deiner weißwogenden Brüste
Schimmernde Fülle,
Zu sättigen der Sinne
Ewig rege Dämonen …
Ich kann dich nicht retten …
O fluche nicht dem Unseligen!
Auch ich bin gebannt
In sternlose Nacht
Wie du;
Unstät und flüchtig
Muß ich weiter irren
Durch pfadleere Wüste,
Stumm weiterschleppen
Die Qualenlast
Nie gestillter Sehnsucht.

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Gedicht: A la Gabriel Max von Wilhelm Arent

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „A la Gabriel Max“ von Wilhelm Arent ist eine intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Verdammnis, Begierde, Reue und unerwiderter Liebe. Es präsentiert eine düstere, fast dekadente Atmosphäre, die von einem tiefen Gefühl der Verzweiflung durchdrungen ist. Der Sprecher wendet sich an eine „blasse Dirne“, ein Kind der Sünde, und reflektiert über die zerstörerische Kraft der Leidenschaft und die Unmöglichkeit, aus der erlebten Verstrickung auszubrechen. Die Sprache ist bildreich und sinnlich, mit einer Fülle von Adjektiven, die die Schönheit der Frau, aber auch die Tragik der Situation hervorheben.

Das Gedicht ist in zwei Hauptteile gegliedert. Im ersten Teil wird die Frau, die „blasse Dirne“, angesprochen und ihre verführerische Erscheinung beschrieben. Der Sprecher stellt Fragen, die seine Faszination und sein Bedauern über die Umstände zum Ausdruck bringen. Die Beschreibungen ihres Lächelns, ihrer Augen und ihres „müden Gesichtchens“ weisen auf eine innere Zerrissenheit und ein schmerzhaftes Schicksal hin. Der Sprecher erkennt die Unmöglichkeit, sie aus ihrem „Pfuhl der Verderbniß“ zu retten, und deutet die tiefe Verzweiflung an, die ihn selbst erfasst hat.

Der zweite Teil des Gedichts offenbart die wahre Tragödie. Der Sprecher gesteht, dass er nicht aus wahrer Liebe, sondern aus sinnlicher Begierde von der Frau angezogen wurde. Er vergleicht diese kurzlebige, körperliche Leidenschaft mit der wahren Liebe einer „Anderen“. Die Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit, wahre Liebe zu empfinden, und die Erkenntnis der Leidenschaft als nur eine kurze Verirrung machen das Gedicht zu einer tiefgründigen Untersuchung menschlicher Unzulänglichkeit. Die Metaphern von „sternloser Nacht“ und „pfadleerer Wüste“ unterstreichen die Isolation und Orientierungslosigkeit des Sprechers, seine innere Leere und sein Scheitern.

Die Verwendung von Adjektiven wie „schnöde verdammtes“ und „schöne Verlorene“ deutet auf ein Gefühl der moralischen Verurteilung und der Selbstverachtung hin. Die erotischen Beschreibungen des Körpers der Frau, wie „weißwogenden Brüste“ und „berauschender Dufthauch“, kontrastieren mit dem Wissen um das zerstörerische Potenzial der Begierde. Die wiederholten Aussagen „Ich kann dich nicht retten“ und „Auch ich bin gebannt“ unterstreichen die Unentrinnbarkeit des Schicksals und die gemeinsame Verdammnis der beiden Charaktere.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „A la Gabriel Max“ ein melancholisches Gedicht über die Zerrissenheit des Menschen zwischen Sinnlichkeit und Sehnsucht nach echter Liebe ist. Es thematisiert die verheerende Kraft der Begierde und die daraus resultierende Einsamkeit. Das Gedicht dient als eine Art Selbstanklage und klagt die Vergänglichkeit der fleischlichen Lust an. Der Autor zeichnet ein düsteres Bild menschlicher Beziehungen, in denen Verdammnis, Reue und unerwiderte Liebe die Oberhand gewinnen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.