1813
1813Nun weiß es doch das Volk der Denker! Der liebe Gott als Schlachtenlenker Verlor uns Jena. Später dann War Er′s, der Leipzig uns gewann.
Er will von allen Weltbezirken Besonders stark in Preußen wirken. Sein ganzes Trachten lenkt ihn hin Zum Weltennabel, nach Berlin.
Nach Friedrich, der so fromm gewesen, Wie wir in allen Büchern lesen, Zog eine freiere Idee Sich an und um den Strand der Spree.
Da half nun Gott den Ohnehosen. Ja — ausgerechnet den Franzosen! Sie hatten ihn zwar abgesetzt, Doch schien er nicht dadurch verletzt.
So einfach ist es zu erklären! Es thront in seinen lichten Sphären Der Weltenschöpfer und gibt acht, Was man speziell in Preußen macht!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "1813" von Ludwig Thoma kritisiert die Rolle Gottes im Kontext der napoleonischen Kriege und der Befreiungskriege. Es beginnt mit der Aussage, dass selbst die Denker nun erkennen, dass Gott als "Schlachtenlenker" eine Rolle spielt, zunächst indem er die Niederlage in Jena verursacht und später den Sieg in Leipzig ermöglicht. Dies deutet auf eine ironische Betrachtung der göttlichen Intervention in historischen Ereignissen hin. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Idee vermittelt, dass Gott besonders stark in Preußen wirken möchte und sein ganzes Streben darauf ausgerichtet ist, Berlin zu erreichen. Dies könnte als Anspielung auf den preußischen Staat und seine Rolle im Kampf gegen Napoleon interpretiert werden. Die Erwähnung Friedrichs und einer "freieren Idee" deutet auf die Aufklärung und die Veränderungen hin, die sich um Berlin herum vollzogen haben. Der letzte Teil des Gedichts nimmt eine überraschende Wendung, indem er Gott als Helfer der "Ohnehosen" – der Franzosen – darstellt, obwohl diese ihn abgesetzt hatten. Dies unterstreicht die ironische und kritische Haltung des Dichters gegenüber der Vorstellung einer direkten göttlichen Intervention in politische und militärische Angelegenheiten. Das Gedicht endet mit der Feststellung, dass Gott in seinen Sphären thront und darauf achtet, was in Preußen geschieht, was die vorherige Ironie noch verstärkt. Insgesamt präsentiert das Gedicht eine skeptische Sicht auf die Rolle Gottes in historischen Ereignissen, insbesondere im Kontext der napoleonischen Kriege und der Befreiungskriege. Es hinterfragt die Vorstellung einer direkten göttlichen Intervention und spielt mit der Idee, dass Gott möglicherweise unerwartete oder ironische Entscheidungen trifft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Später dann
- Anspielung
- Nach Friedrich, der so fromm gewesen
- Enjambement
- Sein ganzes Trachten lenkt ihn hin / Zum Weltennabel, nach Berlin.
- Ironie
- Der liebe Gott als Schlachtenlenker
- Kontrast
- Da half nun Gott den Ohnehosen. Ja — ausgerechnet den Franzosen!
- Metapher
- Weltennabel
- Personifikation
- Der liebe Gott als Schlachtenlenker
- Wiederholung
- Er will von allen Weltbezirken