14. Juli 1834

Clemens Brentano

1834

Ich weiß wohl, was dich bannt in mir, Die Lebensglut in meiner Brust, Die süße zauberhafte Zier, Der bangen tiefgeheimen Lust, Die aus mir strahlet, ruft zu dir, Schließ mich in einen Felsen ein, Ruft doch arm Lind durch Mark und Bein: Komm, lebe, liebe, stirb an mir, Leg′ dir diesen Fels auf deine Brust, Du mußt, mußt.

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Illustration zu 14. Juli 1834

Interpretation

Das Gedicht 14. Juli 1834 von Clemens Brentano behandelt die obsessive, schicksalhafte und letztlich zerstörerische Macht der Liebe. Das lyrische Ich richtet sich an die Malerin Emilie Linder, im Text als arm Lind benannt, und beschreibt eine magische, unausweichliche Anziehungskraft. Die zentrale Metapher des Felsens veranschaulicht die erdrückende Schwere und Ausweglosigkeit dieser spätromantischen Leidenschaft. Mit der Aufforderung, an ihm zu leben, zu lieben und zu sterben, gipfelt das Werk im Motiv des Liebestodes, bei dem alle Grenzen des Daseins verschwimmen. Das abrupte Ende durch die wiederholten Worte Du musst verdeutlicht den völligen Verlust des freien Willens gegenüber dieser emotionalen Naturgewalt und zeigt die Liebe als absolutes, fast diktatorisches Schicksal.

Schlüsselwörter

brust ruft mußt weiß bannt lebensglut süße zauberhafte

Wortwolke

Wortwolke zu 14. Juli 1834

Stilmittel

Aufzählung
Komm, lebe, liebe, stirb an mir
Hyperbel
Ruft doch arm Lind durch Mark und Bein
Metapher
Die Lebensglut in meiner Brust
Personifikation
Schließ mich in einen Felsen ein