10. Jänner 1834

Clemens Brentano

1834

Wo schlägt ein Herz das bleibend fühlt? Wo ruht ein Grund nicht stäts durchwühlt, Wo strahlt ein See nicht stäts durchspült, Ein Mutterschoß, der nie erkühlt, Ein Spiegel nicht für jedes Bild Wo ist ein Grund, ein Dach, ein Schild, Ein Himmel, der kein Wolkenflug Ein Frühling, der kein Vögelzug, Wo eine Spur, die ewig treu Ein Gleis, das nicht stäts neu und neu, Ach wo ist Bleibens auf der Welt, Ein redlich ein gefriedet Feld, Ein Blick der hin und her nicht schweift, Und dies und das und nichts ergreift, Ein Geist, der sammelt und erbaut, Ach wo ist meiner Sehnsucht Braut; Ich trage einen treuen Stern Und pflanzt ihn in den Himmel gern Und find kein Plätzchen tief und klar, Und keinen Felsgrund zum Altar, Hilf suchen, Süße, halt o halt! Ein jeder Himmel leid′t Gewalt! Amen!

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Illustration zu 10. Jänner 1834

Interpretation

Das Gedicht "10. Jänner 1834" von Clemens Brentano beschäftigt sich mit der Sehnsucht nach Beständigkeit und einem Ort der Ruhe in einer Welt, die von ständiger Veränderung und Vergänglichkeit geprägt ist. Der Sprecher fragt wiederholt, wo man etwas Beständiges finden kann – ein Herz, das beständig fühlt, ein Grund, der nicht durchwühlt wird, ein Spiegel, der nicht jedes Bild reflektiert. Diese Fragen verdeutlichen die Unzufriedenheit mit der Vergänglichkeit und die Suche nach einem Ort der Stabilität und Treue. Die Metaphern im Gedicht, wie der "Mutterschoß, der nie erkühlt" oder der "Himmel, der kein Wolkenflug" ist, symbolisieren den Wunsch nach einem sicheren, unveränderlichen Ort. Der Sprecher sehnt sich nach einem "gefiedeten Feld", einem "Blick, der hin und her nicht schweift", und einem "Geist, der sammelt und erbaut". Diese Bilder stehen für die Sehnsucht nach einem Zustand der Ruhe, der Konzentration und des inneren Friedens, der in der äußeren Welt nicht zu finden ist. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass selbst der Himmel, der als Symbol für das Göttliche oder das Ideale steht, "Gewalt leidet". Dies deutet darauf hin, dass selbst in den höchsten Sphären Veränderung und Unruhe herrschen. Der Sprecher ruft nach Hilfe und bittet die "Süße" (möglicherweise ein Symbol für die Geliebte oder die göttliche Liebe), Halt zu geben. Das abschließende "Amen" unterstreicht die spirituelle Dimension der Suche und die Hoffnung auf eine höhere, beständige Wirklichkeit.

Schlüsselwörter

stäts himmel kein grund neu halt schlägt herz

Wortwolke

Wortwolke zu 10. Jänner 1834

Stilmittel

Alliteration
stets stäts durchwühlt, stets durchspült
Anapher
Wo schlägt ein Herz das bleibend fühlt? Wo ruht ein Grund nicht stäts durchwühlt, Wo strahlt ein See nicht stäts durchspült, Ein Mutterschoß, der nie erkühlt, Ein Spiegel nicht für jedes Bild
Apostrophe
Hilf suchen, Süße, halt o halt!
Hyperbel
Ich trage einen treuen Stern Und pflanzt ihn in den Himmel gern
Metapher
Ein redlich ein gefriedet Feld, Ein Blick der hin und her nicht schweift, Und dies und das und nichts ergreift, Ein Geist, der sammelt und erbaut
Parallelismus
Ein Grund, ein Dach, ein Schild, Ein Himmel, der kein Wolkenflug Ein Frühling, der kein Vögelzug
Personifikation
Ein jeder Himmel leid′t Gewalt
Rhetorische Frage
Wo schlägt ein Herz das bleibend fühlt? Wo ruht ein Grund nicht stäts durchwühlt, Wo strahlt ein See nicht stäts durchspült, Ein Mutterschoß, der nie erkühlt, Ein Spiegel nicht für jedes Bild